Meinung : Aufgezwungene Bürokratie

„Auch für Tagesmütter gilt das Reinheitsgebot“ vom 5. Dezember

Als Hausarzt sitzen mir täglich ausgebrannte Menschen gegenüber, die Schwerstarbeit für die Gesellschaft leisten: Lehrer, Krankenschwestern, Kindergärtnerinnen, Sozialarbeiter, auch Kollegen. Sie alle tragen jahrelang hochmotiviert Verantwortung und geben aus Liebe zu ihrem Beruf und den zu versorgenden Menschen ihre letzten Kräfte. Sie brechen nicht wegen der schweren Arbeit zusammen, nein wegen der Formalismen, die ihnen aufgezwungen werden und keinen Raum für den Kontakt zu ihrem Gegenüber lassen. Die Marterinstrumente heißen: Dokumentation, Qualitätsmanagement, strukturierte Handlungsanweisungen. Sie schaffen keine Qualität, sondern vernichten sie. Sie sind Ausdruck des Misstrauens einer hochbezahlten Managementebene in diejenigen, die sich vor Ort für wenig Lohn an sozialen Arbeiten und den Folgen gesellschaftlicher Mängel übernehmen. Nun zählen auch noch die Tagesmütter zu dieser Gruppe. Die Vermüllung des gesellschaftlichen Lebens mit Bürokratie und menschenfernen Handlungsanweisungen ist ein brandwichtiges Problem, welches unser Leben genauso wie die Umweltverschmutzung beeinträchtigt. Wenn die Gesellschaft das Problem nicht aufgreift und ihre Helfer nicht vor dem modernen Kontrollwahn schützt, wird ihnen in der Not kein mitfühlender engagierter Mensch mehr gegenüberstehen.Dr. med. Erich Freisleben,

Berlin-Wedding

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