Aufruf zum Arbeiteraufstand : Verdi auf der Stalinallee

Zum 17. Juni ruft Verdi seine Leute zum „Arbeiteraufstand“ auf. - Eine bizarre historische Anspielung.

Lorenz Maroldt

Verdi ruft für den 17. Juni zum „Arbeiteraufstand“ auf. Ein Gewerkschaftsfunktionär meint, das sei eine angemessene historische Anspielung, auch damals habe der Aufstand „mit tariflichen Fragen angefangen“. Schön, das ist mal was Neues. Bisher langweilen wir uns doch mit den immer gleichen Nazivergleichen. Bush ist Hitler, Mehdorn ist Hitler, Gorbatschow hat’s immerhin zum Goebbels geschafft.

Jetzt ist Wowereit also Ulbricht – aber wer oder was ist Verdi? Zur Geschichte gehört auch, dass die Gewerkschaftsführer im Juni 1953 ihre Arbeiter im Stich gelassen haben. Weil sie die Hosen voll hatten. Hier und heute versuchen die Gewerkschaftsführer, ihre Arbeiter zum größten Quatsch aller Zeiten zu verführen: Sie sollen sich als Freiheitskämpfer fühlen, wenn sie für ein paar Euro mehr auf die Straße gehen.

Der Aufstand am 17. Juni 2008 beginnt übrigens um 8 Uhr morgens mit einem schönen Frühstück und der Registrierung, damit jeder sein Streikgeld bekommt. Beim Aufstand am 17. Juni 1953 starben mindestens 55 Menschen. Und: Der 17. Juni wurde zum Tag der Einheit ernannt, nicht zum Tag des Einheitslohns. Jetzt streikt mal schön. lom

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