Meinung : Aus Angst gespart

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Werden die Deutschen gesünder, weil sie sich seltener krankschreiben lassen? Wohl kaum. Der Grund für den deutlichen Rückgang des Krankenstands ist Angst. Angst des Arbeitnehmers, sich beim Arbeitgeber verdächtig zu machen, wenn er schon mit leichtem Schnupfen zu Hause bleibt. Angst, bei der nächsten Entlassungsrunde den Job zu verlieren, wenn er nicht zeigt, dass er vollen Einsatz bringt. Angst, dann als Arbeitsloser bei schmaler Stütze zum Parkfegen geschickt zu werden und vielleicht nie wieder den Weg in den regulären Arbeitsmarkt zu finden. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mag das niemand riskieren. Die Krankenkassen kennen diese Angst. Sie gehen davon aus, dass sie die erwartete wirtschaftliche Belebung überdauern wird – und der Krankenstand weiter sinkt. Trotzdem kann von Entspannung keine Rede sein. Denn wenn die Sorge um die Existenz nachlässt, auch das zeigt die Erfahrung, wird der Krankenstand wieder nach oben gehen. Um ihn auch langfristig niedrig zu halten, sollten Arbeitgeber und Politik ihre Bemühungen forcieren, die gesundheitliche Prävention in den Betrieben zu verbessern. Zwei Drittel der deutschen Unternehmen beschäftigen heute keine Menschen mehr, die älter als 50 sind – auch das senkt natürlich den Krankenstand. Aber eine Gesellschaft kann sich das auf Dauer nicht leisten. Sie sollte daher ein Interesse daran haben, dass der Job auch mit 65 noch machbar bleibt. pet

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