Meinung : Aus den Seilen

Wie Blair nach vielen Schlägen doch noch siegen kann

Moritz Schuller

Tony Blair macht es wie Muhammad Ali: Als der 1974 gegen George Foreman in Zaire seinen Weltmeistertitel zurückgewann, hängte er sich in die Seile und ließ Foreman sich Runde für Runde müde schlagen. „Rope-a-dope“, hieß die Taktik und sie ging auf: Ali wurde erneut Weltmeister.

Auch Blair hängt seit einigen Monaten in den Seilen. Dass der britische Premier angeschlagen ist, kann man ihm direkt ansehen. Der Irakkrieg hat ihn seine Reputation gekostet, Streit mit seiner Partei die innenpolitische Meinungsführerschaft. Die Irakkriegsrunde ging, trotz Hutton-Freispruch, an Blairs Gegner, auch von der eigenen Parteilinken wurde er angezählt. Man kann sich wundern, dass er überhaupt noch steht.

Schon im vergangenen Herbst hatte Blair deutlich gemacht, dass er sich der historischen Wiederwahl stellen würde. Noch nie hat die Labour-Partei drei Amtsperioden hintereinander den Premierminister gestellt. Am Wochenende ließ er nun keinen Zweifel mehr an diesem Ziel: „Ich werde mich wieder aufstellen lassen“, sagte Blair. Und er kündigte an, dass er am Ende auch als Sieger dastehen werde. Seine Chancen stehen nicht schlecht.

Viel von der Verachtung, sogar dem Hass, der Blair in seinem Land entgegenschlägt, wird geschürt von der Frustration seiner Kritiker: Denn sie wissen, dass eine Rückkehr zu einer Labour-Politik à la Tony Benn politischer Selbstmord wäre. Die Claire Shorts und Robin Cooks, die auf Blairs Strecke liegen blieben, mögen noch so bitterlich über den Kriegsherrn in der Ferne und Entkerner des heimatlichen Sozialstaats klagen, sie wissen, dass sie mit Gordon Brown, dem linken (und linkischen) Schatzkanzler die nächste Wahl nicht gewinnen würden. Nur Blair wird unzufriedene Konservative an Labour binden und die Abwanderung zu den Liberalen in Grenzen halten können. Was auch immer die Absprache zwischen den beiden Labour-Stars beinhaltet, von der immer gemunkelt wird, eines ist klar: Brown will das Amt, nicht den Wahlkampf, und schon gar nicht die Niederlage. Er wird stillhalten.

Auch wenn sich Oppositionsführer Michael Howard in den vergangenen Wochen profilieren konnte und die Konservativen heute so gut dastehen wie seit einem ganzen Jahrzehnt nicht, führt Blair weiter in den Umfragen. Zu den wichtigen Fragen, der Finanzierung der Sozialsysteme, der Steuerpolitik und der außenpolitischen Haltung, bietet Howard kaum überzeugendere Antworten.

Vermutlich schon im Frühjahr 2005 wird Blair Wahlen abhalten lassen. Bis dahin wird er noch mindestens zwei harte Runden überstehen müssen: die Untersuchungsergebnisse über die Informationspolitik der Geheimdienste (das aus den USA wird direkt in seinen Wahlkampf fallen) und die drohende Abstimmung zur europäischen Verfassung.

Aber die Glocke läutet, wie in Zaire, erst nach mehr als zwei Runden.

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