Meinung : „Ausländische Investoren werden profitieren“

Thomas Roser

Erleichtert nahm Juri Jechanurow die Rosen entgegen. Mit der Wahl zum neuen Premier der Ukraine hat der 57-Jährige im zweiten Anlauf einen neuen Gipfel in seiner steilen Karriere bestiegen. Als Sohn einer Ukrainerin und eines Burjaten wurde der Mann mit den asiatischen Gesichtszügen 1948 im sibirischen Jakutsk geboren. Als Teenager kam er nach Kiew, absolvierte erst eine Baufachschule und danach ein Wirtschaftsstudium. Rasch machte der Jungökonom zu Sowjetzeiten Karriere. Mit 26 Jahren leitete er ein Bauunternehmen, arbeitete sich bis zum Vizechef der Kiewer Baubehörde nach oben. Nach der Unabhängigkeit der Ukraine 1991 wurde er von Präsident Leonid Krawtschuk zum Staatssekretär gekürt. Von 1994 bis 1997 leitete er die Privatisierung von Staatsbetrieben, bevor er erstmals das Wirtschaftsministerium übernahm.

Mit dem heutigen Präsidenten Viktor Juschtschenko ist Jechanurow seit 1999 verbunden, als ihn der damalige Regierungschef zu seinem Stellvertreter ernannte. Als Leonid Kutschma im Mai 2001 Juschtschenkos Kabinett den Laufpass gab, ging Jechanurow als Vizechef in die Präsidialverwaltung. Im November 2001 wechselte er endgültig die Fronten, wurde Vizechef des Wahlkampfstabes des von Juschtschenko formierten Oppositionsbündnisses „Unsere Ukraine“, für das er seit 2002 als Abgeordneter im Parlament sitzt. Nach der erfolgreichen Orangen- Revolution ernannte ihn Juschtschenko zum Gouverneur von Dnjepropetrowsk, wo er die gespannte Lage beruhigte.

Mit Jechanurow hat der Präsident einen Technokraten und treuen Gefolgsmann installiert, der zur „alten Macht“ gute Kontakte pflegt. Der neue Premier soll die Wirtschaft ankurbeln und das Regierungsschiff wieder in ruhigeres Fahrwasser steuern. In Kiew gilt Jechanurow aber nur als Übergangsfigur bis zur Parlamentswahl im Frühjahr, mit der sich Juschtschenko eine Atempause verschafft. Doch der verkündete Waffenstillstand mit der geschassten Ex-Verbündeten Julia Timoschenko ist wohl nur einer auf Zeit: Spätestens beim Urnengang im März dürften sich die beiden Revolutionsikonen erneut als Rivalen gegenüberstehen.

Im Gegensatz zu seiner Vorgängerin dürfte der Premier die Konfrontation mit den mächtigen Oligarchen vermeiden. Er ist entschiedener Befürworter einer engen Wirtschaftskooperation mit Moskau. Den Kurs nach Europa wolle er aber beibehalten, verspricht Jechanurow.

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