Meinung : Außenministertreffen: In aller Bescheidenheit

cvm

Mit Tugenden wird man nicht geboren. Man muss sie lernen. Manchen gelingt das sogar noch in einem hohen Amt. Joschka Fischer zeigt in Moskau eine Bescheidenheit, wie sie ihm bei Amtsantritt wenige zugetraut hätten. Im Streit um die Raketenabwehr könne Deutschland nicht vermitteln. Wie bitte? Legen seine beiden Besuche erst an der Moskwa und wenige Tage später am Potomac nicht gerade diese Absicht nahe? Nein, Russland und die USA müssten das untereinander regeln. Eine Lösung sei möglich, da ist Fischer guten Muts: Moskau sei viel kompromissbereiter, als es sich gebe. Das wird er auch seinen Gastgebern in Washington sagen. So kann Fischer moderieren, gerade weil er diese Rolle offiziell ablehnt. Auf anderen Gebieten blieb nur die Einsicht, dass selbst Fischers Einfluss in Moskau begrenzt ist: Die wiederholten Gespräche über Tschetschenien und andere Regionalkonflikte führen zu keiner Besserung. Bei der Demokratisierung ist Stillstand zu verzeichnen, angesichts des Vorgehens gegen kritische Medien müsste man sogar von Rückschlag sprechen. Bei der Rückzahlung der Altschulden bewegt sich trotz Moskaus hoher Einnahmen aus dem Gas- und Ölexport nichts. Immerhin, für die Klage, Russland fühle sich von den USA nicht mehr für voll genommen, hatte Fischer einen Trost parat: Aber wir nehmen Euch ernst. Da hat er Recht, in aller Bescheidenheit.

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