Autobahnmaut : Bezahlte Fahrt für freie Bürger

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hält eine Pkw-Maut als Jahresvignette für 76,50 Euro wie in Österreich für denkbar - und macht sich mit dem Vorschlag unbeliebt bei den Autofahrern.

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Freie Fahrt für freie Bürger - oder Autobahnmaut? Foto: dapd
Freie Fahrt für freie Bürger - oder Autobahnmaut?Foto: dapd

Wir werden jetzt Autofahrer verprellen, gewiss werden wir das, und zwar sehenden Auges. Nicht alle Autofahrer, aber die, die sich dem alten Slogan aus den siebziger Jahren verpflichtet fühlen: „Freie Fahrt für freie Bürger!“ Der Spruch wurde vom ADAC geprägt und zwar 1974. Im Jahr zuvor hatten in Deutschland 16302 Menschen im Straßenverkehr ihr Leben verloren. Nur zum Vergleich: Im Jahr 2008 waren es 4477. Vor diesem Hintergrund muss man kein Fahrradfahrer sein, um den Erfindern der Parole üblen Zynismus vorzuwerfen. Mit großer Wahrscheinlichkeit, mit Sicherheit wird die Forderung in anderem Zusammenhang als den Verkehrstoten bald wieder verbreitet werden. Freie Fahrt für freie Bürger! Geschwindigkeitsbeschränkungen sind ja schon ein Gräuel, und nun auch noch die Wegelagerei, staatliche Wegelagerei, Erpressung, Beschneidung, Bevormundung, Abzocke, angeschoben hochoffiziell aus Bayern, oder besser: von einem Bayern, vom Mitglied des Bundestags und Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer, nun auch noch die Maut. Jetzt ist es raus, das böse Wort.

Die Autobahngebühr! Für alle! Nicht nur für Ausländer, die unsere freien Straßen in unserem freien Land nutzen! Nicht nur für Lkw, nein auch für Pekawe, so wie in Europa in Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Mazedonien, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Serbien, Slowakei, Spanien, Tschechien, Ungarn und Norwegen zu großen Teilen! Der Minister will hier ebensolche unfreien Verhältnisse schaffen. Wie, ist noch nicht raus, ob nach Vorbild etwa Italiens mit einer begrüßenswerten streckenbezogenen Zahlung und Kassenhäuschen mitten auf der Fahrbahn oder nach Vorbild etwa Österreichs mit einem weniger ausgewogenen, weil Vielfahrer und Seltenfahrer gleich behandelnden pauschalen Jahresabonnement für die Befahrung der Autobahnen, zum Preis etwa von 76,50 Euro. Der Minister ist Mitglied der CSU, und er steht mit seiner Forderung in offenem Widerspruch zu seiner Chefin, Kanzlerin Angela Merkel, aber das muss ja nicht heißen, dass er sich nicht durchsetzt.

Nun zum Verprellen: Wäre sehr schön, wenn er sich durchsetzt. Wäre sehr schön, dass wir zahlen, wenn wir Staus bilden und Straßen verstopfen und Kohlendioxid in die Landschaft pusten. Man muss kein Radfahrer sein, um bezahlte Fahrt für freie Bürger gut zu finden.

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