Automobilbranche : Glänzend unterwegs

Deutschlands Autohersteller verkaufen gut in Übersee – doch ihre Arroganz ist gefährlich.

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Foto: AFP

Der Bentley der Queen ist am Sonntag nicht angesprungen. Erst beim siebten Versuch zündete die gepanzerte Staatskarosse, Baujahr 2002. „Halten Sie ihn am Laufen“, soll die Königin ihrem Chauffeur zugerufen haben. Keine Sorge, wird sich der Mann gedacht haben, das kommt nicht wieder vor, die Luxuslimousine ist ein Volkswagen. Ein Auto „made in Germany“, zuverlässiger geht es eigentlich kaum.

Zu schätzen weiß das nicht nur die Queen. Autos aus der Produktpalette des Wolfsburger Zwölf-Marken-Konzerns verkauften sich im vergangenen Jahr weltweit 9,07 Millionen Mal. Damit hat sich das Unternehmen, das an diesem Mittwoch in Mexiko sein 100. Werk eröffnet, selbst übertroffen. Es fehlt nicht viel und Volkswagen ist der größte Autoproduzent der Welt, vor Toyota und General Motors.

Ein solcher Verkaufserfolg zeigt, dass deutsche Wertarbeit im Fahrzeugbau mehr ist als ein strapazierter Werbeslogan. Das gilt nicht nur für Volkswagen, sondern auch für Daimler und BMW, die an die VW- Stückzahlen nicht heranreichen, aber ebenfalls mit glänzendem Image unterwegs sind.

Davon zeugt ihr selbstbewusster Auftritt auf der Automesse in Detroit. Auch im Land der Monster- Pick-ups und Spritschlucker gewinnen die teuren Effizienzmeister aus Deutschland Marktanteile. Jedes siebte in den USA verkaufte Auto war 2012 eine deutsche Marke – meist produziert in einem amerikanischen Werk mit deutschen Qualitätsstandards.

Fabriken, die diese Standards reproduzieren, lassen sich offenbar fast überall auf dem Globus bauen. In China hat Volkswagen 2012 sein zwölftes Werk eröffnet. Keiner ist größer in China, und China ist für VW längst größer als der deutsche Heimatmarkt. Solange der führende (USA) und der zweitgrößte Automarkt der Welt (China) laufen, geht es den deutschen Herstellern gut. Sie kompensieren dort die Schwäche des europäischen Marktes und überlassen Opel, Peugeot- Citroën oder Renault ihrem eurozentrierten Schicksal.

Die Zeichen von Arroganz, die man deshalb bei den „Premiumherstellern“ erkennen kann, sind indes gefährlich. Denn ein Naturgesetz ist dieser Markterfolg keineswegs. Eine buchstäblich dunkle Wolke schob sich zum Beispiel am Wochenende in China vor die Geschäftsaussichten von Volkswagen & Co. Die beängstigend hohe Luftverschmutzung in Peking ist auch eine Folge des Autoverkehrs, der in den chinesischen Metropolen explodiert ist. Was aber, wenn die Pekinger Regierung nur noch extrem saubere, kleine und womöglich elektrische Autos in den Großstädten erlaubt? Was, wenn sich auf der anderen Seite des Ozeans kalifornische Umweltstandards durchsetzen? Noch trösten sich die deutschen Konzerne damit, dass ihre Fahrzeuge im Wettbewerb die saubereren seien. Dass Deutschland beim Thema Elektromobilität einem Entwicklungsland gleicht, wird gerne verschwiegen. Schön, wenn hier viel geforscht und entwickelt wird. Vom Erfolg des Verbrennungsmotors „made in Germany“ ist die deutsche Autoindustrie aber Lichtjahre entfernt.

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