Aygül Özkan : "Ich habe meinen Wechsel nicht bereut"

Das Medieninteresse, das Aygül Özkan als niedersächsische Sozialministerin im April auslöste, hat sich gelegt. "Pannen-Ministerin" nennen sie ihre Gegner, doch Özkan ist hart im Nehmen.

Klaus Wallbaum
Aygül Özkan
Aygül ÖzkanFoto: dpa

Das Wirken der 38-jährigen Politikerin, die jetzt 100 Tage im Amt ist, wurde überlagert von dem Wechsel des Ministerpräsidenten. Im April war sie es, die erste türkischstämmige Ministerin in Deutschland, die allein durch ihre Berufung national und international Schlagzeilen auslöste. Zwei Monate später bekam sie mit David McAllister einen neuen Chef, den ersten deutschen Ministerpräsidenten mit zwei Staatsbürgerschaften, der deutschen und der britischen.

So konnte Özkan unbeobachteter in ihre Rolle hineinwachsen. Die 38-Jährige tritt freundlich und verbindlich auf, geht auf Menschen zu und strahlt Optimismus aus. Sie wirkt auch von den Pannen, die sie sich leistete, relativ unbeeindruckt. Es fing an schon vor ihrer Berufung zur Ministerin, als Özkan sich gegen Kreuze in Klassenzimmern aussprach. Der Sturm der Entrüstung in der eigenen Partei war enorm. Özkan nahm ihre Äußerung zurück und entschuldigte sich dafür.

Mitten in der Sommerzeit dann wieder ein Fauxpas. Die Integrationsabteilung ihres Ministeriums hatte geplant, dass Vertreter von Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen eine Mediencharta unterzeichnen sollten, in der sie sich zu positiver Berichterstattung über die Integration verpflichten. Dieser Plan löste eine gewaltige Welle der Empörung aus, denn hier schien sich ein Versuch der Einflussnahme auf die Medien anzudeuten. Sogar Ministerpräsident David McAllister rückte von den Plänen des Ministeriums ab. Offenbar hatte der Vorschlag für die Mediencharta die Spitze des Ministeriums passiert, wo es an Sensibilität für den Umgang mit Medien mangelte. „Pannen-Ministerin“ schimpfte die Opposition, und in manchen öffentlichen Reaktionen schimmerten wieder Vorbehalte gegen die „fremde Frau“ in der niedersächsischen Regierung durch.

Doch die Ministerin ist hart im Nehmen. Unverdrossen geht es weiter. Eine wichtige Hürde hat sie gerade ohne großes Medienecho genommen. Bei der Sparklausur der Regierung drohten heftige Einschnitte, etwa bei Krankenhäusern, bei Pflegediensten und in anderen Teilen des Sozialetats. Özkan konnte sich durchsetzen und viel abwehren. Einen sozialen Kahlschlag, wie die Opposition ihn fürchtete, dürfte es unter Özkan nicht geben.

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