Meinung : Babypause für Väter: Papa erholt sich im Büro

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In Frankreich sollen Väter künftig zwei Wochen nach der Geburt zu Hause bleiben dürfen, und nicht mehr bloß drei Tage. Das will Lionel Jospin - und liegt damit im Trend. Bisher galt Familienpolitik als Terrain der Konservativen. Die Familie - das war das Unveränderliche, Vorpolitische, also für linken Veränderungsfuror uninteressant. Aber das ist die Ideologie, das sind die Vorurteile von gestern. Die Familien sind längst der Ort, an dem der Geschlechterkampf - wer bleibt wie lange zu Hause, wer geht arbeiten - ausgetragen wird. Beschleunigt wurde diese Erkenntnis durch die demographische Revolution, die bevorsteht. Deshalb wandelt sich Familienpolitik derzeit vom "weichen" zum "harten" Thema, mit dem Wahlen entschieden werden - so wie mit Steuer- oder Außenpolitik. Jospin wird nun der Populismus-Vorwurf nicht erspart bleiben - zu Unrecht. Wieso ist es falsch, etwas durchzusetzen, das beliebt ist? Unbezahlbar ist es jedenfalls nicht. Etwa 200 Millionen Mark pro Jahr soll das den Staat kosten. Nicht sehr viel. Denn weniger als die Hälfte der französischen Väter wird dieses Geschenk wohl überhaupt wahrnehmen. Die meisten werden lieber ins Büro fliehen, als sich den ganzen Tag (und die halbe Nacht) mit Babygeschrei und der Badewassertemperatur zu beschäftigen. Schon deshalb ist Jospins Idee richtig: als Angebot, einen gesellschaftliche Kanon zu ändern, als ein kulturelles Zeichen.

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