Baden-Württembergs CDU : Der Acker ist steinig

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Die CDU Baden-Württembergs, das war ein stolzer Verein, eine Macht im Süden. Und das Land in Erbpacht für die Christdemokraten, in dem der Fraktionschef immer auch der nächste Ministerpräsident wurde. Das ist vorbei, der Acker ist für die CDU steinig geworden. Der Ministerpräsident kommt zwar aus Spaichingen wie seinerzeit Erwin Teufel, nur ist er heute ein Grüner und heißt Winfried Kretschmann. Das muss die CDU unter ihrem neuen Vorsitzenden Thomas Strobl noch annehmen lernen: Dass Konservatismus jetzt grün buchstabiert wird. Die Union hat ihr vermeintliches Monopol verloren, das trifft sie bis in die Seele.

Strobl, ein Konservativer, aber von der aufgeklärten Art, wird darum einerseits die Seele streicheln, andererseits der Aufklärung einen Weg bahnen müssen. Es wird nicht einfach, auch nicht für ihn persönlich. Das Wahlergebnis ist ein Fingerzeig. Die CDU will noch überzeugt werden. Denn Strobl hat für Antipoden als Generalsekretär gearbeitet, für Günther Oettinger, dem er freundschaftlich verbunden ist, und für Stefan Mappus, den er immer mal wieder zu steuern versucht hat. Diese Rolle hat sich allerdings nicht jedem mitgeteilt, eher, dass Strobl qua Amt für das Wahlergebnis mitverantwortlich ist.

Jetzt gilt es aber umso mehr, das ländlich-bodenständig-christliche Element mit dem städtisch-unternehmerisch-liberalen zu verbinden. Beide hatten sich länger ineinander verkeilt; so hat sich die CDU selbst seit Jahren eine Koalition mit den Grünen verbaut. Nun muss die Partei sich allerdings im Hinblick auf die Partizipation des Wählers wie des CDU-Mitglieds endgültig von langen Traditionslinien verabschieden, sie muss sich aufs offene Feld der Demokratie begeben. Und neues Vertrauen in ihre Solidität säen. Bis das Früchte trägt, kann es dauern.

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