Baden-Württembergs FDP : Homburgers Trickkiste

Die Krise der FDP zeigt sich bei der Kandidatenkür in Baden-Württemberg: Sie entleibt sich dort selbst

Gerd Appenzeller

Wer glaubt, die FDP tendiere nur auf Bundesebene zur Autovivisektion, zur Selbstentleibung bei vollem Bewusstsein, wird in Baden-Württemberg eines besseren belehrt. Dort wollte der ehemalige Wirtschaftsminister Walter Döring der Landeschefin der Partei, Birgit Homburger, den Spitzenplatz auf der Liste für die Bundestagswahl 2013 streitig machen. Seine Chancen standen nicht schlecht. Birgit Homburger verfügt zwar über ein sehr ausgeprägtes Ego, es mangelt ihr aber an rhetorischem Talent. Das prädestiniert nicht direkt für eine herausragende Rolle im Wahlkampf. Döring kann besser reden, wurde aber leider im Zuge des Flowtex-Wirtschaftsskandals wegen uneidlicher Falschaussage verurteilt. Außerdem hängt ihm eine Parteispendenaffäre an. Es waren aber wohl weniger moralische Bedenken als Machtstrategie, die Frau Homburger trieb, Dörings Kandidatur zu verhindern. So nominierte sie flugs Dirk Niebel, den Entwicklungshilfeminister, als Nummer eins. Dessen politische Heimat ist der Südwesten, darum wurde er auch gewählt. Frau Homburger sicherte sich Platz zwei und ist nun fein raus. Taktik kann sie. Niebel war ob der Ehre etwas verwirrt, sie kam völlig überraschend, Nein sagen ging ja nicht. Von der Schlammschlacht auf dem Nominierungsparteitag im Schwarzwald wird man in jedem Fall auch noch reden, wenn die FDP im Herbst 2013 nicht über die Fünfprozenthürde kommt.

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