Bahn : Der ICE steht, die Politik kommt

Die SPD fordert eine parlamentarische Untersuchung der Bahn-Pannen im Bundestag. Das klingt kämpferisch und bürgernah. Notfalls würde aber auch eine Parteikontrollkommission helfen. Ein Kommentar.

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Das Thema Bahn hält sich hartnäckig auf den Titelseiten.
Das Thema Bahn hält sich hartnäckig auf den Titelseiten.Foto: dpa

Jetzt wird es ernst für die Bahn: Die Politik schaltet sich ein. Sie will wissen, warum die ICE-Züge weder fahren, wenn es kalt, noch, wenn es heiß ist und warum zuletzt bei den hochmodernen Zügen so viele Achsen gebrochen sind. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Florian Pronold fordert eine „umfassende parlamentarische Untersuchung“. Er will wissen, „ob die Bahn zulasten der Sicherheit gespart hat“ und „wer dafür die Verantwortung trägt.“ Und natürlich will er auch klären, welche Rolle der Bund als Eigentümer dabei gespielt hat. So kämpferisch und bürgernah hat sich die SPD schon lange nicht mehr präsentiert.

Gut gebrüllt, Pronold. Die Bahn ist schließlich ein richtig schönes Aufreger-Thema, vor allem dann, wenn sie nicht fährt. Jeder ist schon mal dabei gewesen, wenn die Bahn ausfällt. Jeder kann da mitreden, vor allen diejenigen, die lieber im Stau stehen als im Zug zu schwitzen. Eine parlamentarische Untersuchung kann nur zu einem Untersuchungsausschuss führen und mit einem solchen lässt sich der schwarz-gelben Regierung ordentlich ans Zeug flicken. Das sorgt zwar nicht dafür, dass die Bahn wieder fährt oder die Klimaanlagen wieder funktionieren. Aber ein unterhaltsames Spektakel wäre es trotzdem. Zumindest dann, wenn es die Sozialdemokraten mit ihrem Aufklärungswillen ernst meinen.

Wer will schließlich nicht dabei sein, wenn der Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der Vater aller Bahn-Pannen seit 1949, mal richtig gegrillt wird. Oder wenn die Parlamentarier im Selbstversuch in die ICE-Sauna steigen. Als ersten Zeugen ließe sich übrigens der ehemalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee vorladen. Der gehört zu den Politikern, die in der letzten Legislaturperiode den Börsengang der Bahn vorangetrieben haben. Die Ladeanschrift ist der SPD bekannt, schließlich ist Tiefensee Genosse und sitzt mittlerweile auf den harten Oppositionsbänken gleich neben Florian Pronold. Der Ex-Minister könnte, wenn er wollte, sicher einiges dazu sagen, wie sich die Bahn zu Zeiten der großen Koalition auf den Börsengang vorbereitet hat, wie der ehemalige Staatskonzern auf Effizienz getrimmt und die Sicherheit ein ums andere Mal hinten angestellt wurde.

Tiefensee, gestehen Sie, Ihre Parteifreunde dürstet es nach Aufklärung. Das Bahn-Chaos wäre eine gute Gelegenheit für die Sozialdemokraten, sich nach elf harten Regierungsjahren mal richtig ehrlich zu machen. Und wenn es zu einer parlamentarischen Untersuchung nicht reicht, würde notfalls auch eine Parteikontrollkommission helfen.

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