Bahn-Gewerkschafter Hansen : Der Überläufer

Man kennt sich, man hilft sich – diesen Wahlspruch beherzigen seit jeher deutsche Wirtschaftsführer. Jetzt hievt Bahnchef Hartmut Mehdorn seinen Freund und Gewerkschaftschef Norbert Hansen als Arbeitsdirektor in den Managersessel der bald teilprivatisierten Bahn.

Carsten Brönstrup

Schon immer hat Mehdorn seinen guten Draht zu den Mächtigen genutzt, um sein Lebensziel, den Börsengang des Staatskonzerns, zu verwirklichen. Doch mit der Personalie Hansen beschädigt er das Projekt – genauso wie der Gewerkschafter seine Glaubwürdigkeit.

Dass der Einstieg privater Investoren bei der Bahn greifbar nahe ist, hätte ohne die Hilfe Hansens nie funktioniert. Der Sozialdemokrat mit dem Ohrstecker hatte seine Leute schon vor Jahren darauf eingeschworen, den Konzern nach den Plänen Mehdorns an die Börse zu bringen – also als Fastmonopolist mit Einfluss auf das wichtige Schienennetz. Sein Kalkül: Die Bahn im Staatsbesitz zu belassen, wäre für seine Gewerkschaft eine ebenso gefährliche Perspektive wie eine Privatisierung mit der Trennung von Gleisnetz und Betrieb, der ordnungspolitisch saubersten Variante. In beiden Fällen hätte die Transnet Mitglieder und Macht verloren, weil bei der Bahn Jobs gestrichen worden wären. Also redete ein Gewerkschaftschef dem Börsengang das Wort – das würde im momentan privatisierungskritischen Zeitgeist wohl keinem Arbeiterführer einfallen.

Mehdorn, der Vertreter des Kapitals, und Hansen, der Vertreter der Arbeiter, gerieten deshalb fast nie aneinander. Viele Jahre ist es her, dass Hansen ihm „Missmanagement“ vorwarf. Mehdorn strich Jobs, oft mehr als 10 000 pro Jahr – Hansen nahm es hin. Hansen forderte Lohnaufschläge – Mehdorn gestand sie ihm zu, allein bis 2010 werden es bei der Bahn mehr als zehn Prozent sein. Hansen muss angesichts seines Aufstiegs nun mit dem Argwohn leben, seiner Basis gegenüber nicht ehrlich gewesen zu sein. Und Mehdorn muss mit dem Verdacht leben, die Privatisierung nur per Mauschelei durchsetzen zu können.

Wie damals bei der Sache mit dem Koalitionsvertrag – dass sich die Privatisierung darin im Sinne Mehdorns wiederfindet, hat er dem damaligen CSU-Verkehrsminister Otto Wiesheu zu verdanken. Der wurde, kurz nachdem er den Vertrag verhandelt hatte, Vorstand bei der Bahn.

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