Bahn.ru : Billiger Versuch

Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten könnte der angekündigte Einstieg Russlands bei der Deutschen Bahn ein Schnäppchen werden - und ein Debakel für den Bund.

Ein Kommentar von Moritz Döbler

Von Privatisierung kann man wohl nicht reden, wenn ein Staat (Deutschland) seine Anteile an einem Unternehmen an einen anderen Staat (Russland) verkaufen will. Aber immerhin, es ist geschafft: Der erste Investor hat nicht nur vage Interesse an der Deutschen Bahn bekundet, sondern öffentlich eine Hausnummer genannt. Fünf Prozent der Anteile der Verkehrstochter wolle man übernehmen, kündigte die russische Staatsbahn an. Die Festlegung ist erstaunlich, denn was die fünf Prozent kosten sollen, ist offen. Angesichts der aktuellen Turbulenzen an den Finanzmärkten könnte der Einstieg für die Russen ein Schnäppchen werden – und ein Debakel für den Bund. Das Umfeld ist schlecht, deswegen strebt derzeit kein namhaftes privates Unternehmen aus Deutschland an die Börse. Wenn es tatsächlich beim Börsengang der Bahn in einem Monat bliebe, hätte das vor allem eine Ursache: Es war so mühsam, einen politischen Konsens herzustellen, dass eine Verschiebung das endgültige Aus für die Privatisierung bedeuten könnte. Die Bundesregierung muss trotzdem dringend nochmal nachdenken. Zu billig sollen die Bahnanteile ja auch nicht verkauft werden. mod

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