Bahnpreise : Über Gebühr

Die Bahn nutzt seine Monopol-Stellug, um das Unternehmen fit für den Börsengang zu machen. Da freut man sich auf den bald beginnenden Wettbewerb.

Um knapp vier Prozent verteuern sich die Tickets im Fernverkehr – für „moderat“ hält das der Konzern angesichts der teuren Energie und der stark gestiegenen Löhne. Doch anders als andere Firmen darf die Bahn nicht auf das Verständnis, gar auf das Mitgefühl ihrer Kunden hoffen. Dazu hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren zu oft an der Preisschraube gedreht – und stets sein Mantra von den gestiegenen Ausgaben vorgetragen. Zu vieles spricht dafür, dass dies nicht der wahre Grund ist. Die renditeschwachen Fernzüge müssen mehr Geld bringen, angesichts des Börsengangs im Herbst. Dazu nutzt die Bahn jede Gelegenheit – darauf lässt auch die Ausweitung des „Bedienzuschlags“ schließen. Manager einer Supermarktkette können nicht im Traum daran denken, von den Kunden eine Gebühr zu verlangen, weil sie bei ihnen einkaufen. Bahn-Leute können das. Aus einem schlichten Grund: IC- und ICE-Züge haben auf der Schiene praktisch keine Konkurrenz – weil sich bislang niemand getraut hat, der Bahn im kapitalintensiven Zuggeschäft den Kampf anzusagen. 2010 könnte sich das ändern, dann fallen EU-weit die Schranken für den Fernverkehr. Mehr Wettbewerb ist nicht nur den Kunden zu wünschen, sondern auch der Bahn. Dann merkt sie vielleicht, dass man nicht immer nur die Preise erhöhen muss – sondern dass auch andere Wege zum Erfolg führen. brö

0 Kommentare

Neuester Kommentar