Meinung : Balanceakt

„Schwanger: Etwas Alkohol schadet nicht“ vom 18. Juni

In der dpa-Meldung wird der Artikel von R. Humphriss et al. aus der medizinischen Fachzeitschrift BMJ Open zitiert. In der Studie wurden Auswirkungen von Alkoholgenuss während der Schwangerschaft auf die neurobiologische Entwicklung der Kinder untersucht. Eine besonders negative Auswirkung wurde zwar nicht gefunden, dennoch darf der Artikel in keinem Fall dazu dienen, einen – wenn auch geringen – Alkoholkonsum in der Schwangerschaft zu rechtfertigen. Die Schlussfolgerungen „Etwas Alkohol schadet nicht“ und „moderater Alkoholkonsum in der Schwangerschaft hat keine negativen Auswirkungen auf die Hirnentwicklung“, können aus der Studie nicht ohne Weiteres und keinesfalls in dieser Allgemeinheit abgeleitet werden, da ausschließlich Auswirkungen auf die Balance der zehnjährigen Kinder überprüft wurden. Es wurde auch nicht belegt, dass der scheinbar günstige Effekt auf die Balanceleistung auf den Alkoholkonsum zurückzuführen ist. Vielmehr wird von den Autoren eine Auswirkung des unterschiedlichen Bildungsniveaus explizit für möglich erachtet. Betrachtet man außerdem den gesamten wissenschaftlichen Erfahrungsumfang zu Alkohol in der Schwangerschaft, so ist eine Unbedenklichkeit eines moderaten Konsums nicht eindeutig nachgewiesen worden. Da eine sicher unschädliche Dosis nicht bekannt ist, ist jeder Schwangeren dringend zu empfehlen, auf Alkohol zu verzichten.

Dr. Marc Oppermann, Apotheker,

Mitarbeiter im Pharmakovigilanz-

und Beratungszentrum, Charité Berlin

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