Bali-Attentäter hingerichtet : Aus schwach mach’ stark

Nur zur Erinnerung: Es gab mehr als 200 Tote, damals vor sechs Jahren. Die meisten der Ermordeten waren ausländische Urlauber, darunter auch sechs Deutsche. Nun sind drei Drahtzieher der Anschläge hingerichtet worden. In der Nacht zum Sonntag wurden die Todesurteile vollstreckt.

Moritz Kleine-Brockhoff

Nun wäre es nach den Hinrichtungen in Indonesien angemessen gewesen, im Fernsehen die leeren Straßen und Plätze des Landes zu zeigen. Die Aufnahmen der Terrorsympathisanten, die bei den Bestattungen der Massenmörder wütend grölten, geben ein falsches Bild. Indonesien hat 230 Millionen Einwohner. Nur ein paar Hundert von ihnen zeigten eine hässliche Seite des ansonsten moderat-islamischen Landes. Natürlich sind ein paar Hundert solcher Fanatiker ein paar hundert zu viel. Doch sie überschatten, dass fast alle Bürger des Landes Terror ablehnen. Sie finden, die Todesstrafe ist unumstritten, und sie finden, dass die Bali-Bomber ihre gerechte Strafe erhielten.

Wer die Todesstrafe ablehnt, kann Indonesien nicht gratulieren. Aber abgesehen von der Wahl der Höchststrafe ist Lob angemessen. Vor den Bali-Bomben gab es kein Anti-Terrorgesetz. Dabei hatte es bereits Anschläge gegeben, zum Beispiel starben in Kirchen 17 Menschen durch Bomben. Die Täter wurden nicht gefasst. Damals war der Staat, eine junge Demokratie, schwach. Man kümmerte sich nicht genug um die innere Sicherheit. Vier große Anschläge folgten. Heute ist der Staat viel stärker: Eine bestens ausgestattete Polizeitruppe fasst Terroristen, es gelten harte Gesetze, die Justiz greift durch. Seit 2005 gehen keine Bomben mehr hoch. Experten sind sich einig: Die Terrorstrukturen in Indonesien sind so zerschlagen, dass ein aufwendiger Anschlag wie der von Bali mittlerweile unwahrscheinlich ist.

Das Volk steht hinter der harten Linie. Die Hinrichtungen dürften daher, entgegen mancher Befürchtung, auch in den kommenden Tagen keine breite Reaktion hervorrufen. Das heißt nicht, dass es garantiert friedlich bleibt. Es braucht nur einen Fanatiker, der ein Selbstmordattentat verübt. Ein solcher Anschlag ist nie zu verhindern, nicht von dem stärksten Staat der Welt.

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