Meinung : Balkan: Populistisch, fahrlässig, gefährlich

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"Holt unsre Jungs heim!". Diese periodisch in den USA erhobene Forderung nach dem Rückzug amerikanischer Soldaten aus den Gefahrenzonen dieser Welt zieht innenpolitisch fast immer. Sie ist ja auch verständlich. Wer sie aber politisch instrumentalisiert, will billig Punkte sammeln - und handelt fahrlässig. Genau das tut George W. Bush, dessen Einflüsterer nun die US-Mission auf dem Balkan als ein weiteres dankbares Thema des ohnehin recht populistischen Wahlkampfs des republikanischen Präsidentschaftskandidaten entdeckt haben. Soll sich doch Europa im Kosovo und in Bosnien engagieren. Doch die Folgen eines Balkan-Abzugs der Amerikaner wären verheerend, sie ließen sich mit dem Ende der US-Militärpräsenz in Europa nach dem Ersten Weltkrieg vergleichen. In beiden Fällen - 1918 wie in den letzten Jahren in Bosnien und im Kosovo - haben die USA wesentlich mitgeholfen, eine neue Ordnung zu schaffen. Ohne sie als die wichtigste Sicherungsmacht ist die neue Machtkonstellation auf Dauer nicht zu halten. Der Ruf nach einem europäischen Ersatz als Friedensstifter auf dem Balkan klingt zwar gut, ist aber angesichts der notorischen Unfähigkeit der Europäer, in Krisenzeiten gemeinsam zu handeln, gefährlich.

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