Meinung : Bange machen gilt doch Der Senat droht den Unis –

und sich selbst

Lorenz Maroldt

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit findet zunehmend Gefallen an seiner Erschreckungsdoktrin. Erfunden hat er sie eher zufällig im Clinch um die Finanzierung der Hochschulmedizin: Sparvorgabe erteilt, vor dem Donnerwetter die Ohren verschlossen und so die geschockt-verzweifelten Betroffenen gezwungen, selbst einen Weg aus dem Dilemma zu weisen. Das war erschreckend, das machte Mut – und verstörte die Gewerkschaften des Öffentlichen Dienstes, die als nächste die neue Berliner Brachialität zu spüren bekamen. Nach lautem Wutgeheul sitzen sie jetzt eher kleinlaut am Verhandlungstisch, um semantische Umdeutung ihres Auftritts bemüht.

Und jetzt zurück zum Start, hin zu den Hochschulen. Klaus Wowereit teilt mit: Der Finanzsenator hat einen neuen Plan. Die Universitäten und Fachhochschulen sollen bald mit 200 Millionen Euro weniger auskommen, dauerhaft. Geht das überhaupt?

200 Millionen Euro: Das ist soviel, wie die Humboldt-Universität – ohne Hochschulmedizin – an Zuschüssen erhält. Würde sie geschlossen, wäre der Beitrag erbracht. Ein absurdes Szenario. Aber was ist die Alternative? Die Universitätspräsidenten sagen: Eine weitere drastische Verringerung der Studienplätze und die Besetzung offener Professorenstellen mit zweitklassigen Bewerbern. Eine Millionenstadt mit Provinzbetrieb – darauf lässt sich keine Hoffnung bauen.

Wie also lässt sich erklären, dass die Politik trotzdem behauptet, Wissenschaft und Forschung seien die Zukunft der Stadt?

Der Widerspruch muss keiner sein. Fest steht nur: Einfach so, ohne Plan, lässt sich in diesem Umfang an den Hochschulen nicht ohne Totalschaden sparen. Auf der anderen Seite gilt aber auch: Die Hochschulen haben bisher weder auf die Krise der Landesfinanzen, noch auf ihre eigene angemessen reagiert. In der Abhängigkeit vom Öffentlichen Dienst hat man sich an teure, ineffiziente Strukturen gewöhnt. An der Spitze vieler Hochschulen stehen Professoren, die keine Manager sind. Die meisten wissen nicht, wer, wann und warum unter ihrer Führung was macht. Man konkurriert innerhalb der eigenen Stadt anstatt mit anderen Städten. Um nur ein paar Punkte zu nennen.

Die Hochschulen dürfen sich erschreckt fühlen. Sie haben jetzt etwas zu tun. So sollten sie ruhig damit rechnen, dass der Senat verzweifelt genug ist, um sonst zu handeln wie angedroht. Auch wenn das einem Selbstmord aus Angst vor dem Tode gleichkäme.

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