Meinung : Barack Obamas und George Bushs deutsche Vorbilder

Malte Lehming

Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Er ist die Hoffnung, das Rätsel, der Liebling. Mit Barack Obama , dem jungen Senator aus Illinois, beschäftigen sich im amerikanischen Vorpräsidentschaftswahlkampf viele Kommentatoren. Durch dessen Kandidatur sei dies eine der „aufregendsten Wahlen“ seit Menschengedenken, schreibt Clive Crook in der „Financial Times“ , die ansonsten nicht zu Übertreibungen neigt. „Obama ist sehr klug, außerordentlich charmant, ein ziemlich guter Redner und, zufällig, ein außerordentlich talentierter Schreiber. Auch wenn er weiß wäre, wäre er beeindruckend, weil er schwarz ist, ist er sensationell.“ David Brooks, der konservative Kolumnist der „New York Times“ , ist ebenfalls fasziniert. Er hat mit Obama über dessen Prägungen gesprochen, und ist, siehe da, auf Reinhold Niebuhr gestoßen, den amerikanischen Theologen, der einem ehemals deutschen Pfarrhaus entstammt. „Ich liebe ihn“, wird Obama zitiert, „er ist einer meiner Lieblingsphilosophen.“

Ein deutscher Einwanderer spielt auch die Hauptrolle in einer gewagten Charakterstudie des USPräsidenten George W. Bush. Geschrieben wurden sie von Sidney Blumenthal auf dem Salon -Blog. Der Deutsche ist ein Maler und heißt William Henry Dethlef Koerner. Von ihm stammt ein Bild mit dem Titel „A Charge to Keep“. Es zeigt einen Cowboy, der einen Berg hinaufreitet, gefolgt von zwei anderen Reitern. „Ihre Gesichter sind angespannt, als würden sie etwas in der Entfernung verfolgen, das von anderen nicht gesehen werden kann. Oder werden sie verfolgt?“ Er liebe dieses Bild, habe Bush einmal gesagt, es ginge auf eine alte Hymne zurück, die Gott preise. Blumenthal rekonstruiert die Geschichte des Bildes. Analysiere man dessen Bedeutung gemeinsam mit einem zweiten Exponat, das Bush sich ins Oval Office gestellt hat – der Pistole von Saddam Hussein, die dem irakischen Diktator bei seiner Gefangennahme im Dezember 2003 abgenommen worden war –, werde verständlich, warum sich aus Bushs Weltbild auch Ereignisse wie die aus dem Foltergefängnis von Abu Ghraib ableiten lassen.

Was erklärt den Amoklauf von Virginia? Thomas Sowell vom Townhall -Blog liefert eine originelle Antwort: der Mythos von der Schuld der Gesellschaft, erfunden von der 68er-Bewegung. „Statt Schusswaffen zu verbieten, sollten wir lieber die Dogmen der 60er Jahre überdenken“, fordert er.

Links zu den zitierten Beiträgen unter www.tagesspiegel.de/meinung

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