Bashar al Assad : "Eine ausländische Verschwörung"

Der syrische Präsident Bashar al Assad wirkt eigentlich intelligent genug, zu erkennen, dass es besser wäre, die politische Initiative zu übernehmen. Doch anscheinend ist er dazu nicht in der Lage.

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Bisher hatte sich der syrische Präsident Bashar al Assad als Reformer präsentiert. Er holte Technokraten in sein Kabinett, liberalisierte die Wirtschaft, sagte der Korruption den Kampf an. Nach seinem Amtsantritt im Jahr 2000 gab es sogar kurzzeitig etwas mehr politische Luft zum Atmen: In Privathäusern trafen sich Intellektuelle und Oppositionelle zu politischen Debatten. Neue Zeitungen durften erscheinen und zumindest soziale Probleme kritisch unter die Lupe nehmen. Doch dann ging es nicht weiter. Kritiker wanderten wieder ins Gefängnis, darunter auch der 80-jährige Doyen der Menschenrechtsaktivisten, Haitham Maleh, der erst kürzlich freigelassen wurde. Die allgemeine Lesart ist, dass der 45-jährige Bashar ausgebremst wurde von den Hardlinern im Regime, zu denen auch seine engsten Verwandten gehören wie sein Bruder Maher, der einer Eliteeinheit vorsteht, oder sein Cousin Rami Makhlouf, der den Flügel repräsentiert, der sich bei der gelenkten Öffnung der Wirtschaft grenzenlos bereichert. Die eigentliche Hausmacht Bashar al Assads war die Sympathie des Volkes, auf die er und seine schöne, sozial engagierte Ehefrau Asma bauen konnten.

Doch diese Hausmacht hat Bashar al Assad nun nicht nutzen wollen. Seine mit Spannung erwartete Rede vor dem Parlament erschöpfte sich in vorgestanzten Floskeln von „ausländischen Verschwörungen“, die hinter den Protesten der vergangenen Tage stecken sollen. Der Präsident, der als Augenarzt einen Teil seiner Ausbildung in London machte, wo er auch seine dort aufgewachsene Frau kennenlernte, wirkt eigentlich intelligent genug, zu erkennen, dass es besser wäre, die politische Initiative zu übernehmen. Doch anscheinend ist er dazu nicht in der Lage.

Wenn man sieht, wie zufrieden er die stehenden Ovationen der Pseudo-Parlamentarier entgegennimmt, liegt der Verdacht nahe, dass er den Kontakt zur Realität in seinem Land verloren hat. Hinzu kommt, dass er wenig politisches Gespür und Geschick hat und sich – anders als sein Vater – auch außenpolitisch schon so manches Mal fast wider Willen in die Ecke hat treiben lassen. Doch elf Jahre sind eine ausreichend lange Lehrzeit. Immer mehr Syrer werden wohl zu dem Schluss kommen, dass ihr Präsident seinem Vater in anderen Punkten doch ähnlicher ist als angenommen. Und dass er letztendlich auf gnadenlose Brutalität und eine harte Hand im Umgang mit Kritikern und Opposition setzen wird.

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