Bauernglück : Wer einmal schreit

Die Mehrheit der Bauern geht davon aus, dass sich ihre Wirtschaftslage in den kommenden Jahren noch deutlich verbessert. So erfreulich diese Nachrichten sind, sie kommen, um es milde auszudrücken, ein wenig überraschend.

Yasmin El-Sharif

Tonnen an Spargel und Berge von Erdbeeren haben die deutschen Bauern in diesem Jahr geerntet, wie aus einer gerade veröffentlichten Statistik hervorgeht. Mit fast 93 000 Tonnen Spargel waren es so viele wie seit Jahren nicht mehr. Kein Wunder, dass die deutschen Landwirte momentan vor Optimismus strotzen – die Mehrheit der Bauern geht sogar davon aus, dass sich ihre Wirtschaftslage in den kommenden Jahren noch deutlich verbessert. So erfreulich diese Nachrichten sind, sie kommen, um es milde auszudrücken, ein wenig überraschend. Denn laut und deutlich klingen noch die jüngsten Wehklagen dieser Berufsgruppe nach: Zuerst war es die Dürre, die nach Angaben der Bauern der diesjährige Ernte den Garaus zu bereiten drohte, dann war es der Regen, unter dem die zarten Pflänzchen angeblich fast ersoffen. Und dass das wenige, was nach diesen Unwettern überhaupt noch übrig war, schlicht nicht geerntet werden könnte – daran war dann die Politik schuld: Die hatte nämlich dafür gesorgt, dass nicht nur Erntehelfer aus dem Ausland eingesetzt werden sollten, sondern auch unerfahrene deutsche Arbeitslose. Das gehe niemals gut, klagten die Bauern sofort. Dass es so geht, gut sogar, ist erfreulich für die Landwirte. Doch deren Glaubwürdigkeit ist dahin. Sollte irgendwann wirklich etwas schiefgehen, wird kaum noch jemand die Klagen der Bauern ernst nehmen. ysh

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