Meinung : Bauernhaus

Christina Tilmann

Am 11. 9. 2001 sitzt die Welt vor dem Fernseher. Gustav Seibt hat ein anderes Problem: Am kommenden Tag soll sein Buch über Rom vorgestellt werden, er muss die Lesung absagen. Ein Dilemma: Einem historisch verorteten Menschen kommt die Aktualität dazwischen, und ein Gegenwartskritiker verkennt den Geist der Weltgeschichte.

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In seiner Essay-Sammlung lernt man den SZ-Kritiker kennen. Man begegnet einer fast konservativ anmutenden Sehnsucht nach liberalem Geschichtsbewusstsein. Seibt, der ohne Fernseher aufwuchs, sucht die Stille in Huizingas Mittelalter wie im Bauernhaus seiner Großmutter und vor allem bei der Lektüre von Oden alter Meister im menschenleeren Hinterland der Love Parade. Dante, Petrarca und Borges schauen ihm über die Schulter.

Gustav Seibt: Canaletto im Bahnhofsviertel. Kulturkritik und Gegenwartsbewusstsein. Essays. Zu Klampen Verlag, Springe. 208 Seiten, 18 €.

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