Meinung : Bayerische Fehlpässe

Von Albert Funk

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Edmund Stoiber ist in diesem Sommer etwas von der Rolle. Man kann sein Verhalten auch in der vom CSUChef so gern genutzten Fußballersprache beschreiben: Stoiber hat sich verdribbelt und den Ball verloren. Gerade erst misslang dem bayerischen Ministerpräsidenten seine Offensive in Sachen Arbeitsmarktpolitik. Statt ein elanvolles Signal zu setzen, passierte ihm das denkbar Schlechteste: Er gab für die Arbeitslosenquote mit seinem Österreich-Vergleich eine Zielmarke – vier Prozent – vor, die jedenfalls in der ersten Wahlperiode einer neuen Bundesregierung nie und nimmer erreicht werden kann.

Nun ist er mit seinem Vorstoß zur Verschiebung der Rechtschreibreform ordentlich auf die Nase gefallen. Die anderen Ministerpräsidenten im schwarzen Lager machen nicht mit, außer Jürgen Rüttgers in Nordrhein-Westfalen, der zwar ein großes Land regiert, aber noch nicht lange, sich also seinen Rang unter den Landesfürsten der Union noch erkämpfen muss. Denn Landesgröße allein reicht nicht, um Gewicht zu haben. Zwar kann man Gründe für eine Verschiebung der Reform finden, wie Stoiber und Rüttgers sie wollen. Andererseits ist von allen Kultusministern gerade erst beschlossen worden, die Reform zum 1. August umzusetzen. Darin dürfte auch ein Grund liegen, warum der Vorstoß aus München und Düsseldorf nicht gelang: Nicht jeder Ministerpräsident will und kann sich ohne weiteres über seine Fachminister hinwegsetzen. Das ist auch eine Stilfrage.

Stoiber wollte vor allem einen Wahlkampfgag zünden, Rüttgers dachte offenbar, der Bayer habe noch seinen alten Einfluss. Hat er aber nicht. Und das Verstolpern zeigt, dass seine Idee, als Primus im Bundesrat einer Regierung Merkel Linien zu weisen, kaum nach dem Geschmack aller CDU-Granden in den Ländern ist. Edmund Stoiber wirkt jetzt ein bisschen wie einst Franz Beckenbauer in der Endphase der Karriere – in der der „Kaiser“ bekanntlich öfter ein Eigentor schoss.

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