Bayern : Horst Seehofer und der Geist der Bevormundung

Horst Seehofer hat bei den Grünen einen Geist der Bevormundung ausgemacht und will deshalb nicht mit ihnen koalieren. Da sieht man, wie schlimm es um die Bevormundung in Bayern steht, wenn sie dem Chef schon selber auf die Nerven geht.

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Horst Seehofer stört sich am Geist der Bevormundung, der bei den Grünen wehe. Foto: dpa
Horst Seehofer stört sich am Geist der Bevormundung, der bei den Grünen wehe.Foto: dpa

In manchen Punkten kann man Bayern auch lieben, wenn man kein Bayer ist. Als Freund der Berge und der Biere nebst der dazugehörenden Gärten bekenne ich mich dazu, an manchen Tagen Gefühlsbayer zu sein. Nicht so schön ist in Bayern allerdings die Bevormundung. Horst Seehofer hat in diesen Tagen gesagt, dass er unter gar keinen Umständen mit den Grünen über Koalitionen reden werde, weil nämlich bei den Grünen ein Geist der Bevormundung wehe. Gell, da sieht man, wie schlimm es um die Bevormundung in Bayern steht, wenn’s dem Chef schon selber so auf die Nerven geht, dass er sie anderenorts nicht auch noch erträgt.

Die bayerische Bevormundung hat in manchen Punkten schon eine über Jahrhunderte sich hinziehende Tradition. Wenn man so will, haben die Bayern jeden Tag Veggie Day. Oder ist es etwa keine Bevormundung, wenn man Weißwürste nur am Vormittag essen darf? Jüngeren Datums ist das Rauchverbot, das eines der schärfsten der Republik ist, und sich auch auf die Ausflugsdampfer der schönen bayerischen Seen erstreckt. Wo man hinschaut in Bayern, der Geist der Bevormundung ist schon da.

Auch ist Bayern das Bundesland, in dem bei Weitem die meisten psychisch kranken Menschen weggesperrt werden. Der Fall Mollath ist nicht einmal die Spitze des Eisberges, er ist allenfalls ein Eiskristall des Berges.

Die bayerische Bevormundung ist fast schon ein geflügeltes Wort. Nicht umsonst haben schon 2009 die Legehennenhalter in Bayern, und das sind wahrlich nicht wenige, Schluss mit Überreglementierung und Bevormundung gefordert. Besonders arg trifft den Freund des Bieres die Sperrstunde. Da sitzt man an lauen Sommerabenden in herrlichsten Biergärten, und schon wird, kaum dass es dunkel ist, der Hahn zugedreht. Es gibt auch Biergärten, die ab einer bestimmten Uhrzeit keine Halben mehr ausschenken, nur noch ganze Maß, das ist wie früher, als es draußen nur Kännchen gab. Das ist aber keine staatliche Bevormundung. Wo wir aber gerade beim Bier sind. Es ist in Bayern verboten, nach Genuss eines Grundnahrungsmittels Auto zu fahren. Diese Bevormundung ist selbst in den eigenen Reihen umstritten. So setzte sich der CSU-Politiker Otto Wiesheu schon 1983 erfolgreich gegen diese Trinkbevormundung zur Wehr. Später wurde er Verkehrsminister.

Einer seiner Nachfolger will jetzt die Maut-Bevormundung für Ausländer. Man kann Horst Seehofer verstehen, dass er keine Bevormundung mehr sehen will.

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