BBC-Krise : Sklerotisches in der Anstalt

Die BBC muss reformiert werden – bevor ihre Gegner Hand an diese große Institution legen. Die Verbündeten dazu hat sie.

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Vom Hauptquartier der BBC in London schickte gestern ein Hubschrauber Bilder in die Welt. Unten, klein, die Choreografie einer Krise: Reporter, Kamerateams, gefeuerte Manager. Oben: das riesige Gebäude wie ein gestrandeter Supertanker mit dem Doppelrumpf aus dem historische „Broadcasting House“ von 1932 und dem neuen Pendant aus dem 21. Jahrhundert. Man sah die Macht der BBC, die glorreiche Mutter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, mit ihren drei Milliarden Pfund Etat, das Zukunftsvertrauen des Senders, der sich als die Heimat des besten Journalismus der Welt bezeichnen darf.

Natürlich war es ein BBC-Hubschrauber. Kein Sender berichtet über diese Krise so schonungslos. Es war glorreicher BBC-Journalismus – das 16-minütige Interview des Radioveteranen John Humphrys, das den Sturz des zurückgetretenen Generaldirektors George Entwistle besiegelte.

In erster Linie geht es nicht um die Institution BBC, sondern um eine Redaktion, die schlampte, einen unschuldigen Politiker fälschlicherweise als Pädophilen bezeichnete. „Verschwommene Entscheidungs- und Kontrollstrukturen“, entschied der nun amtierende Generaldirektor Tim Davie in seiner ersten Analyse. Traurig, dass ausgerechnet das altehrwürdige Spätmagazin „Newsnight“ an dem Pädophilenskandal um den BBC-Altstar Jimmy Savile scheitert. Aber es wird deutlich, dass byzantinische Managementprozesse Entscheidungsfreude und Selbstverantwortung verwässern und dass am Ende niemand Verantwortung trägt.

An diesem Punkt geht es doch um die Institution BBC. Das aufgeblähte Management und ein zunehmender sklerotischer Institutionalismus sind die Folge des wachsenden Rechtfertigungsdrucks auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Er kommt von kommerziellen Mitbewerbern wie Rupert Murdoch, die Rundfunkgebühren für Zwangssubventionen halten. Er kommt von der wachsenden Komplexität und Fragmentierung der Medienlandschaft. Sender wie die BBC müssen immer mehr Energie darauf verwenden, im Rennen um Klatsch, Tratsch und Populismus Relevanz zu demonstrieren.

Deshalb braucht die BBC eine Reform. Schlankere Hierarchien, eine schärfere Definition ihrer Aufgaben, Rückzug aus Bereichen, die man den Konkurrenten überlassen darf, Transparenz, Kostenbewusstsein. BBC-Aufsichtschef Lord Patten weiß, dass die Reform kommen muss, bevor die Feinde, die sich nun Chancen ausrechnen, Hand an die BBC legen – etwa, indem ihre Autonomie durch eine neue Regulierungsbehörde beendet wird, die ihr Umfang und Größe des Sendeauftrags vorschreiben würde. Es wäre das Ende des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie wir ihn auch in Deutschland haben.

Aber Patten und die BBC haben starke Verbündete: Die britischen Gebührenzahler, die Hörer und Zuschauer, und auch die Aktionäre der BBC wollen in ihrer Mehrheit, dass „die Tante“ schnell wieder auf die Beine kommt.

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