BBI : Flieg, Engelchen, flieg

Man mag von dem Berliner Großflughafen halten, was man will – und Anlass zur Kritik en détail wird es immer geben. Wenn Renate Künast aber aus dem BBI in Form eines Zubringerairports eine Art Dorfflughafen machen will, ist das Bastapolitik und ein Treppenwitz.

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Renate Künast nährt alle Zweifel an ihr, meint Autor Robert Leicht. Foto: dpa
Renate Künast nährt alle Zweifel an ihr, meint Autor Robert Leicht.Foto: dpa

Wie man sich irren kann! Ursprünglich fand ich den Gedanken, dass Renate Künast in Berlin nicht nur kandidieren, sondern möglicherweise auch siegen könnte im Wettstreit um das Amt des Regierenden Bürgermeisters, irgendwie attraktiv – obwohl manche einwandten, ihre spontane Burschikosität sei nicht immer mit solider Sachkunde unterfüttert. Aber nachdem Frau Künast sich mit der Idee brüstete, den Berliner Großflughafen in letzter Minute zu einer Art Zubringerairport zu degradieren, ist mein erster Spaß am flotten Auftritt einem gewissen Entsetzen gewichen.

Schon die Vorstellung, man müsse sich an den neuen Trend 21 anhängen – von Stuttgart lernen, heiße in Berlin, siegen zu lernen – war leichtfertig, zumal in einem Moment, da die Stuttgarter Schlichtung den Grünen dort den Schneid abzukaufen droht.

Viel ernster nehme ich aber folgenden Gesichtspunkt: Man kann den von Heiner Geißler oberflächlich dahingesagten Satz, jetzt sei Schluss mit der Bastapolitik, nicht gleichzeitig befürworten – und dann mit einem umgedrehten Basta zuwiderhandeln.

Man mag von dem Berliner Großflughafen halten, was man will – und Anlass zur Kritik en détail wird es immer geben. Doch wer nach all den vorausgegangenen politischen und administrativen Prozeduren in letzter Minute sagen will: Wir machen kurzerhand etwas ganz anderes daraus – der betreibt selber Bastapolitik an allen Ordnungen vorbei. Solche komplexen Verfahren im Vorfeld eines Großprojektes haben nämlich keinen anderen Zweck, als den, Legitimität, Kontrolle und Verlässlichkeit gleichermaßen zu sichern. Und wer diese Verlässlichkeit mal eben mit linker Hand beiseitewischen will, weckt den Verdacht, dass er auch in anderen Angelegenheiten nicht wirklich verlässlich handeln will und kann.

Aus den Resultaten solcher Entscheidungsprozesse kann man allenfalls mit einem ähnlich tief gestaffelten neuen Verfahrensablauf aussteigen – übrigens natürlich nur mit entsprechenden Zahlungen an Schadensersatz und Revisionskosten, falls dann überhaupt noch Geld für eine alternative Planung übrig bleibt.

So viel zum Grundsätzlichen! Nun aber noch eine Anmerkung zur in Rede stehenden Flughafenentscheidung. Ich will mich ja gar nicht den ökologischen Bedenken gegen den Flugverkehr als solchen verschließen. Aber solange die Welt so ist, wie sie ist, wäre es ein Treppenwitz, ausgerechnet der Hauptstadt des bevölkerungsreichsten Landes der Europäischen Union eine Art Dorfflughafen vor die Tür zu stellen, ganz abgesehen von der Tatsache, dass dann die meisten Interkontinentalflüge von und nach Berlin in zwei Flüge zerlegt werden müssten, nämlich vom Zubringer zum Drehkreuz und vom Drehkreuz in die übrige Welt; was daran ökologisch sinnvoll sein soll, müsste man mir erst einmal erklären.

Kurz und gut: Auch eine Kandidatin kann Fehler machen – aber einige Fehler sind verräterisch und politisch potenziell tödlich.

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