Meinung : BBI könnte einen Aufschwung bringen

„Lufthansa findet Tegel nun doch ganz groß“ und „Auf neuer Linie“ vom 7. August

Prinzipiell gebührt den Autoren der herzliche Dank der Lufthansa für ihre Begeisterung über den kurzzeitigen Einsatz eines unserer „Jumbo-Jets“ auf der Route Berlin–Frankfurt im September. Leider ist eine „leichte“ Korrektur vonnöten, die ein wenig Wasser in den von Ihnen kredenzten Wein schüttet. Lufthansa setzt – Zitat – „ab September Jumbo-Jets ein und verdoppelt damit das Sitzplatz-Angebot“? Sorry, aber eine solche geschäftlich unsinnige Maßnahme liegt uns ebenso fern wie vermutlich Ihrer geschätzten Zeitung die plötzliche, unmotivierte Verdoppelung ihrer Druckauflage.

Die nüchternen Tatsachen sehen ein wenig anders aus: In einem kurzen Zeitraum im Monat September (nicht „ab September“!) wird Lufthansa eine aus umlauftechnischen Gründen vorübergehend im Langstreckenverkehr nicht benötigte Boeing 747 nach derzeitiger Planung für insgesamt 30 Hin- und Rückflüge auf den drei aufkommenstärksten innerdeutschen Strecken einsetzen – davon 20-mal auf Frankfurt–Berlin, siebenmal auf Frankfurt–Hamburg und dreimal auf Frankfurt–München. Damit decken wir im traditionell aufkommenstarken Monat September zum Wohle unserer Fluggäste einige Nachfragespitzen ab.

Lufthansa bedient die Strecke zwischen Tegel und Rhein-Main täglich bis zu 14-mal - mithin über 400-mal im Monat. In aller Regel kommt dabei der Airbus A321 mit bis zu 190 Plätzen zum Einsatz. Somit addiert sich unser monatliches Sitzplatzangebot auf dieser Route auf weit über 75 000 Plätze. Der 20malige Einsatz der Boeing 747, die bis zu 140 Fluggästen mehr Platz bietet als der Mittelstrecken-Airbus, ergibt also nach Adam Riese summa summarum ein Mehrangebot von gerade einmal rund 2800 Plätzen. Dass daraus in Ihrem Artikel eine „Verdoppelung des Sitzplatz-Angebotes“ wurde, ist wohl der verständlichen – und hoffentlich von vielen Berliner Fluggästen geteilten – Vorfreude des Reporters auf den seltenen Besuch der in der Tat beeindruckenden B 747 in Tegel zu verdanken.

Mit der einem Rechenfehler geschuldeten Fehlmeldung nicht genug, nimmt der begleitende Kommentar den angeblichen plötzlichen Quantensprung im Berliner Fluggastaufkommen – den wir uns wünschen würden – als Nachweis für die allzu kühne Theorie, Lufthansa könne „jetzt schon problemlos einen zweistrahligen Airbus gut gefüllt nach New York schicken“. Schön wär’s.

In der Realität funktioniert der internationale Flugverkehr leider nicht so, dass die Passagiere auch der vereinzelten Jumbo-Flüge aus Tegel heraus im kommenden Monat mehrheitlich ein gemeinsames Reiseziel, wie z. B. New York, ansteuern. Vielmehr verteilen sich die mehr als zwei Drittel Umsteiger am Drehkreuz Frankfurt einzeln oder in kleinen Grüppchen auf Anschlussflüge zu rund 200 Destinationen in aller Welt. Für die Aufnahme kostendeckender, nachhaltiger Langstreckenverbindungen von Tegel aus bräuchte es mehr als eine knapp vierprozentige Mengensteigerung für ein paar Wochen.

Aber seien Sie versichert: Wir arbeiten daran – und sicherlich bringt uns der neue Hauptstadtflughafen, wenn er denn endlich eröffnet wird, dem von Ihnen wie von uns angestrebten Ziel ein gutes Stück näher!

Wolfgang Weber, Leiter Konzernkommunikation Deutschland-Nord/Ost, Deutsche Lufthansa AG, Berlin-Mitte

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