Beck und die SPD : Schüsse auf den Pianisten

Keiner sollte so tun, als hätte er es nicht gewusst: Beck ist ein Volksbürgermeister, einer, der den Menschen nahe zu sein scheint. Bundeskanzler kann er trotzdem nicht werden. Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff.

Stephan-Andreas Casdorff

Soll keiner so tun, als hätte er nicht gewusst, was er bekommt, wenn er Kurt Beck zum SPD-Vorsitzenden wählt. Beck, der Volksbürgermeister. Sie wollten einen, der den Menschen nahe zu sein scheint; einen, von dem die Menschen wie weiland Strauß über Kohl sagen: An ihm kann man sehen, dass jeder Bundeskanzler werden kann.

Kann er aber nicht. Außerdem: Helmut Kohl war, im Vergleich, nicht weniger Pfälzer, aber mehr Stratege. Und wo er nicht der Stratege war, hatte er immer einen, meistens einen klugen. Darüber hinaus war Kohl strategisch brutal, Beck ist es situativ. Manchmal sieht man ja, dass er nicht nur jovial ist, sondern auch richtig wütend werden kann. Kurz: Wenn er merkt, dass die Situation sich gegen die Partei wendet und, nicht zuletzt, gegen ihn, dann … Siehe Franz Müntefering. Nicht vergessen!

Beck schließt dann auch Koalitionen mit denen, von denen man das nicht für möglich gehalten hat. Er, Inbegriff des Bürgerlichen, als den er sich selbst sieht. Das bezieht sich nicht nur auf die Linke als Partei, sondern auch auf die Linke in der Partei. Beck und Nahles, zum Beispiel. Sie gibt den Kurs vor: Kurs Beck. An der Zusammensetzung des Präsidiums ist das gut zu sehen. Andrea Nahles hatte für dessen Wahl eine Liste, und wenn Mann genau hinschaut, dann sieht das engste Führungsgremium ganz so aus. Beck hat es unterstützt.

Weil Beck so ist, wie er ist, und weil er auch nicht mehr viel anders wird, so alt, wie er ist, muss sich die SPD entscheiden.Will sie ihm folgen oder nicht? Denn klar ist: Beck hat einen Führungsanspruch. In des Wortes zweifacher Bedeutung. Einmal hat er einen Anspruch darauf, dass die, die er zu Stellvertretern gemacht hat – wohlgemerkt er – loyal zu ihm stehen. Zum anderen hat Beck den Anspruch auch selbst. Unter einem Mangel an Selbstbewusstsein leidet er nicht, nicht nach so vielen Jahren als Regierungschef und mehreren gewonnenen Wahlen.

Schröder weg, Müntefering weg, Platzeck weg – da hatte der Ex-Kanzler im Blick auf den Parteivorsitz immer recht: Schießt nicht auf den Pianisten, wir haben nicht mehr so viele. Ach, und das darf man auch nicht vergessen: Aussitzen kann der Pfälzer.

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