Beck und Steinmeier : In der Glaskugel

Nach Ansicht einiger Politologen soll SPD-Chef Kurt Beck die Kanzlerkandidatur 2009 aufgegeben haben. Eine rätselhafte Analyse.

Robert Birnbaum

Parteienforscher sind schon seltsame Wesen. Man trifft sie manchmal bei Parteitagen, meist aber auf Diskussionspodien oder im Fernsehen. Wann und woher sie die Gewissheiten schöpfen, mit denen sie noch jede aktuellste Entwicklungen brühwarm kommentieren, ist infolgedessen etwas rätselhaft. Dieser Tage verbreitet ein Teil der Zunft die Analyse, dass SPD-Chef Kurt Beck die Kanzlerkandidatur 2009 aufgegeben habe, was man daran erkenne, dass er in Mainz bleibe und den Vizekanzler-Job und damit die Chance zur Profilierung Außenminister Frank-Walter Steinmeier überlasse. Mit Verlaub: welch ein akademischer Unfug! Beck hat sich in die perfekte Position gebracht, der Kanzlerin zu widersprechen, wann es ihm gefällt. Beck hat seinen Vize Steinmeier in eine Position gebracht, die den in einen ständigen Balanceakt zwischen Parteiräson und Loyalität zur ungeliebten Regierung zwingt. Und Beck hat vorher den Mann politisch kaltgestellt, der als einziger diese Balance mühelos halten konnte, Franz Müntefering nämlich. Dieser Kurt Beck will nicht Kanzlerkandidat werden? Liebe Professoren: Erforscht die Geschichte der Parteien. Schreibt Bücher. Erweitert unser aller Horizont. Aber hört langsam mal damit auf, die Magier zu mimen, denen ein rascher Blick in ihre Glaskugel die Zukunft erschließt. bib

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