Becks SPD : Die Seele schwankt

Der Aufstieg, den das Motto des "Zukunftskonvents" verspricht, wird der SPD nicht gelingen. Zwar bietet Kurt Beck der Partei mit seiner kämpferischen Rede ein paar Stteicheleinheiten, für eine Orientierung kann er jedoch nicht sorgen.

Tissy Bruns

Kurt Beck stand als vergleichsweise kämpferischer Redner vor den SPD-Mitgliedern und sein Auftritt hat, in Verbindung mit der eigenständigen Präsidentschaftskandidatur, der gekränkten Seele seiner Partei wohlgetan. Doch das Selbstbewusstsein eines Vorsitzenden, der weiß, wo er mit seiner Partei steht und wohin er mit ihr will, fehlte auch dieser Rede von Kurt Beck. Die SPD regiert die Bundesrepublik zehn Jahre in Folge, aber sie kann sich damit einfach nicht positiv identifizieren. Oppositionsgeist eigener Art weht durch die Nürnberger Hallen, wenn Beck die SPD-Bundesminister sparsam lobt, Front gegen den Koalitionspartner macht und keinerlei gemeinsamen Erfolg kennt. Die rot-grüne Ära scheint auf als nostalgische Formel, in Verbindung mit einem nicht sehr realistischen Koalitionswunsch für 2009. Es wird lebhaft geklatscht, wenn Beck sich die Ampel wünscht, als wüsste die Partei nicht, dass sie sich mit Gesine Schwan einen Herzenswunsch erfüllt hat, der dieser Konstellation entgegensteht.

Und nur in geschlossenen Sälen kann man sich vormachen, dass in dieser Lage das wiederholte „Mit der Linken 2009 im Bund nicht“ draußen geglaubt wird. Irgendwie will Kurt Beck, will die SPD doch nichts zu tun haben mit dem Prinzip Verantwortung, das er gegen die Konkurrenz von links beschwört. Wer Gerechtigkeit nicht nur auf dem Papier versprechen, sondern auch durchsetzen will, sollte die politikverdrossenen Deutschen nicht mit einem großkoalitionären Dauerwahlkampf behelligen. Sie wirkt seltsam konturlos, ja blutleer, diese SPD, weil sie richtige Opposition ja auch nicht bieten kann. Eine, die, wie die Linke, alles verspricht, den Feind genau kennt und sich im Wohlgefühl der besseren Menschen badet. Die SPD hat immer zwei Seelen. Eine Balance finden sie nur, wenn diese Partei ihren politischen Kurs kennt. Unter Beck ahnt sie ihn nur – und schwankt und wankt.

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