Meinung : Bei Blair unterm Dach

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Sagt man nicht: die feine britische Art? Gordon Brown, der Schotte, hat sie wohl nicht. Nun wäre es zu einfach, ihn bloß zu den Bärbeißigen, den Ungehobelten, den weniger Charmanten zu zählen. Nein, das Ganze hat schon einen ernsten Hintergrund. Brown will mehr – und kann der Mann werden, der zu viel wollte. Zum Hintergrund: Tony Blair, noch amtierender Premier, wohnt nicht in Downing Street No. 10, wie es ihm gebührt, sondern in No. 11, wo der Schatzkanzler residiert, weil der die größere Wohnung hat. Dafür hatte Brown, der Schatzkanzler, vulgo: Finanzminister, die kleinere Wohnung über den Amtsräumen des Premiers nebenan. Er hat sie aber nur zu kleinen Abendeinladungen oder anderen Repräsentationsterminen genutzt. Und jetzt, wo alle Welt darauf wartet, dass Blair als Premier abtritt, auszieht aus No. 10 – ausgerechnet jetzt zieht Brown dort mit seiner Familie ein. Kein Wunder, dass Cherie Blair not amused war und das anmaßend fand. Die Mehrheit der Briten, mindestens die der Engländer, wird das genauso sehen. Brown kann wohl nicht warten. „Ich will da rein“, das hätte er schon rufen können, in der Nacht – aber schon drinnen sein? Das Amt kommt zum Mann, nicht der Mann zum Amt. Die feinere Art wäre gewesen, sich rufen zu lassen. cas

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