Meinung : „Bei den Eisbären ist die Stimmung einmalig“

Claus Vetter

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit wird kommen, die Vorstandsetage des Investors aus den USA auch. Schließlich wird am heutigen Donnerstag auf dem Gelände am Ostbahnhof ein wichtiges Projekt für Berlin vorgestellt: Die Arena am Ostbahnhof. 150 Millionen Euro soll sie kosten, in zwei Jahren soll die Mehrzweckhalle mit 17 000 Zuschauerplätzen fertig sein. Der Mann, ohne den sie nicht errichtet würde, wird allerdings nicht dabei sein: Philip Anschutz.

Dass Anschutz nicht nach Berlin kommt, ist keine Überraschung. Der kleine Mann mit den grauen Schläfen mag keinen Rummel um seine Person. Bis vor ein paar Jahren gab es kaum ein Foto des inzwischen 66 Jahre alten Amerikaners. Das änderte sich erst im September 1999. Damals kaufte sich Sportfan Anschutz schon mal die Eishockeymannschaft zur geplanten Halle: die Eisbären. Als er in der kleinen alten Halle im Bezirk Hohenschönhausen erstmals ein Spiel seines Klubs sah und auf der Tribüne „in Ruhe seine Kartoffelchips essen wollte“, wie ein Vereinsmanager berichtete, störten ihn die Blitzlichter der Fotografen.

Ab 2008 wird Anschutz in seiner Privatloge in der neuen Arena ungestört sein. Neben Eishockeyspielen wird es in der Halle Konzerte und andere Veranstaltungen geben – so wie das in seiner Arena in Los Angeles üblich ist. Das Imperium der „Anschutz Entertainment Group“ ist so weit verzweigt, dass der Chef, der sein erstes Geld in den 60er Jahren mit der Ölfirma seines Vaters machte, den Überblick verlieren muss: Anschutz ist an 100 Unternehmen beteiligt, darunter sind Basketball- und Fußballklubs, in Deutschland auch noch der Eishockeyklub Hamburg Freezers. Das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ schätzt das Vermögen des Unternehmers auf 5,8 Milliarden Dollar. Über den Menschen Anschutz ist allerdings wenig bekannt. Er gilt als konservativ und ist Mitglied der Presbyterianischen Kirche. „Kaum jemand weiß, wie er wirklich ist“, sagt Pierre Pagé, Trainer der Eisbären. „Wenn er uns besucht, ist er immer schnell wieder weg.“

Allerdings ist Anschutz gut informiert über seine Klubs. Vor ein paar Jahren kam er zu einem Eishockeyturnier nach London, wo ihm die Großarena Millennium Dome gehört. Anschutz mischte sich auf einer Pressekonferenz unter die Journalisten. Der Milliardär diskutierte mit – über Eishockey. Ein Interview gab er danach aber nicht. Philip Anschutz redet eben nicht über sich, zumindest nicht öffentlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar