Belgien : Szenen einer Ehe

Eigentlich sind es die Belgier leid, sich permanent mit der Unzulänglichkeit des eigenen föderalen Systems beschäftigen zu müssen. Ein Ausweg wären Neuwahlen, aber wer will die schon?

Albrecht Meier

Seit über einem Jahr streiten die Vertreter der niederländischen und der französischen Sprachgemeinschaft in Belgien über Macht und Einfluss – ohne Ergebnis. Das Rücktrittsangebot des Regierungschefs Yves Leterme ist dabei nur das vorerst letzte Kapitel in einem Trauerspiel, das sich so zusammenfassen lässt: Die Flamen im prosperierenden Norden drängen auf eine größere Selbstständigkeit, aber die wollen ihnen die Parteien, die den französischsprachigen Süden vertreten, nicht geben. Sie treibt die Sorge um vor einem weiteren Niedergang der Wallonie. Wie es nun weitergeht? Eigentlich sind es die Belgier leid, sich permanent mit der Unzulänglichkeit des eigenen föderalen Systems beschäftigen zu müssen. Ein Ausweg wären Neuwahlen, aber die will außer den flämischen Nationalisten derzeit niemand. Wahrscheinlicher ist es, dass die Parteien – mit oder ohne Leterme – noch einmal einen Anlauf zur Staatsreform nehmen. Die dritte Möglichkeit, die Teilung Belgiens, wird von einer Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Doch wer weiß, ob das so bleibt, wenn sich das politische Klima im Lande weiter verschlechtern sollte. ame

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