Benedikt XVI. in Deutschland : Papstbesuch ohne Trost

Fordernd und nahezu hart findet Stephan-Andreas Casdorff Papst Benedikt XVI. in der Essenz seiner Worte. Es kam kein gütiger Seelsorger, sondern einer, der von der Spitze der Gelehrsamkeit das Reich beschaut. Barmherzigkeit sieht anders aus.

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Der Papstbesuch in Deutschland ist vorbei. Nun stellt sich die Frage, was bleibt.Weitere Bilder anzeigen
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11.02.2013 15:25Der Papstbesuch in Deutschland ist vorbei. Nun stellt sich die Frage, was bleibt.

Will die katholische Kirche nicht die der Barmherzigkeit sein, verzeihend und besonders damit auf den rechten Weg geleitend? Der Papst, der sein Heimatland besucht hat, was ein Jahrhundertereignis ist, hat in dieser Hinsicht keinem Trost gespendet. Es kam kein gütiger Seelsorger, sondern einer, der von der Spitze der Gelehrsamkeit das Reich beschaut: ohne den Einzelnen im Blick, weil der weit unter ihm mit den anderen zu dem wird, was früher die Divisionen des Papstes genannt wurde.

Seid gläubig! Seid gehorsam! Mahnungen, Befehlen gleich, die das, was er geschrieben hat – dass Gott Liebe sei – als ein Missverständnis seinerseits erscheinen lassen. Liebe zu den Menschen ist nicht papieren, ist nicht aus Büchern allein zu erfahren, und sei es das eine Buch. Fordernd und nahezu hart war der Papst, nicht in seinem Auftreten, sondern in der Essenz seiner Worte. Soll sich niemand von seiner Fragilität täuschen lassen. Damit kam er beinahe so daher, wie es den Protestanten vorgehalten wird und wie es von Luther heißt; und das als Eindruck vom Besuch des Deutschen auf dem Stuhl Petri in seinem Heimatland, dem Land der Reformation. Es wirkt wie ein intellektueller Witz jenes höheren Wesens, das beide Kirchen verehren.

Dieser Papst sieht die Zeichen der Zeit (Matthäus), aber er deutet sie nicht als Aufforderung, die katholische Kirche mutig zu öffnen, sondern sie im Gegenteil nach innen zu festigen. Als müssten deren Gläubige Sicherheit in Katakomben finden, so hallt nach, was der Bischof von Rom spricht. Nicht die Jahre, die kommen, prägt er damit, sondern die Jahrtausende, auf denen sein Amt ruht, sprechen aus ihm.

Und doch wollen wir auch Gutes über ihn sagen, bene dicere: Er hat Luthers Wirkungsstätte besucht; es gab die ökumenische Messe in einer evangelischen Kirche; er hat, seinem Namen Benedikt und dessen Tradition folgend, in Helmut Kohl das Europa des Friedens gewürdigt; es gab die christlich-politische Rede im Bundestag, die den Wert der Natur und der Gerechtigkeit betonte. Wer die Exegese nicht scheute, der fand auch Verbindendes für die großen Religionen. Nur, leider, waren die Botschaften nicht befreiend, sie waren im besten Fall bestärkend. Aber eben auch das Falsche: Nicht einmal in der Bischofskonferenz folgen sie dem Gebot „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Einen Seelsorger würde das nicht ruhen lassen. Den Führer von Heerscharen schon. Ihn wird das in Deutschland Erlebte in seinem Glauben nicht anfechten. Nach ihm die Reform, die Reformation.

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