Bergbau an der Saar : Das große Beben

Im Windschatten des Wahlgetümmels droht es unterzugehen: Nach fast 600 Jahren, zehn Jahre früher als vereinbart, scheint der Bergbau an der Saar am Ende zu sein.

Ingrid Müller

Abbau auf Kosten der Menschen darf es nicht geben. Das gilt in doppelter Hinsicht. 35 Beben erlebten die Saarländer in diesem Jahr bereits, dabei ist 2008 gerade mal zwei Monate alt. In Bergbaugebieten rumpelt es schon mal – aber solch massive Auswirkungen wie am Samstag sind denen, die über den Gruben wohnen, nicht zuzumuten. Angesichts der Vorgeschichte verwundert es schon, dass der Unternehmenschef nun „völlig überrascht“ ist. Die erste Reaktion: 3600 Bergleute freigestellt, sie dürfen Urlaub nehmen oder Überstunden abfeiern. Ist das Verantwortung eines Konzerns, der mit diesen Menschen sein Geld verdient? Er individualisiert das Risiko? Die RAG ist ein großer Betrieb mit langer Bergbauerfahrung, sie sollte sich jetzt nicht mit einem weiteren großen Beben von ihren verunsicherten Mitarbeitern verabschieden. Das strukturschwache Saarland dürfte mit einem so abrupten Aus vor großen neuen Problemen stehen. So hatte sich wohl auch Ministerpräsident Müller den Ausstieg nicht vorgestellt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben