Berlin II: Schule : Jung, aber überfordert

Erst Mathe, dann Therapie: Viele Kinder werden zu früh eingeschult - und leiden darunter. Höchte Zeit, dass der Berliner Senat seine Politik ändert

Susanne Vieth-Entus

Die Kinder müssen nicht reif sein für die Schule, sondern die Schule reif für die Kinder – so lautet das Credo all jener, die sich für eine frühe Einschulung stark machen. Auch in Berlin war dieses hübsche Wortspiel oft zu hören, als die rot-rote Koalition 2004 beschloss, die Schulpflicht vorzuziehen. Mehr noch: Die bis dahin gegebene Möglichkeit, Spätentwickler zurückzustellen, wurde gleich auch noch abgeschafft. Alle Mahnungen der Praktiker vor der Überforderung der Kinder und der Lehrer wurden in den Wind geschlagen, denn über allem stand die Überzeugung, dass man Kinder nur früh genug in die Schule holen müsse, um ihnen einen guten Lernstart zu ermöglichen. Dies hat sich längst als Fehleinschätzung erwiesen: Zuhauf gibt es bedrückende Berichte über Kinder, die dem schulischen Alltag nicht gewachsen waren und von hilflosen Lehrern an Psychologen, Therapeuten und Kinderärzte übergeben wurden. Wenn die Koalition dennoch an der frühen Einschulung festhalten will, muss sie zumindest die Folgen abmildern und Rückstellungen von der Schulpflicht auf eine gesetzliche Grundlage stellen. Dass sie das jetzt tun will, war überfällig.sve

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