Berlin II: Turnschuhklappe : Markenbewusst

Eine Initiative in Berlin-Hellersdorf polarisiert: Sollen Kinder aus sozial schwachen Familien Markenturnschuhe erhalten?

Gerd Nowakowski

Gibt es ein Menschenrecht auf Markenware? Die Turnschuhklappe in Hellersdorf legt den Gedanken nahe. Alte Schuhe weg, die edlen Treter von Nike oder Adidas her – die Beschenkten werden sich freuen. Aber ist das nicht die letzte Drehung eines verheerenden Markenhypes, der nun in Gestalt einer verqueren Wohltätigkeit bei sozial schwachen Familien angekommen ist? Schließlich müssen auch in Hellersdorf keine Kinder in bitterer Kälte barfuß laufen. Was ihnen fehlt, sind nicht Schuhe, sondern oftmals Zuwendung und Fürsorge durch die Eltern, weswegen das Sozialprojekt Arche mit Herzenswärme und warmen Mahlzeiten einspringen muss. Die Fürsorge ist aller Ehren wert, die Turnschuhaktion aber geht haarscharf daneben. Man wolle nicht den Markenhype unterstützen, sagen die Initiatoren – und tun es trotzdem. Natürlich ist der Druck real, den jene zu spüren bekommen, die nicht dem angesagten Dresscode entsprechen. Die Turnschuhklappe aber kann keine Lösung sein; solchem Druck muss man begegnen, nicht nachgeben. Eltern, die sich bemühen, ihre Kinder gegen die Markenhysterie stark zu machen, werden sich für die Aktion bedanken. gn

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