Meinung : „Berlin ist für die Linke ein Präzedenzfall“

Lars von Törne

Für ihre politischen Freunde in der linken Sammelbewegung WASG ist die junge Frau das perfekte Aushängeschild: Sie ist intelligent und eloquent, kann gut organisieren und hat feste politische Standpunkte. Und gut aussehend ist die 26-Jährige auch noch, was angesichts der medialen Dauerpräsenz der Berliner WASG in den vergangenen Tagen ein zusätzlicher politischer Bonus ist.

Für ihre Gegner – und dazu zählt knapp die Hälfte der Berliner Parteifreunde sowie ihr Bundesvorstand – ist die Volkswirtin Lucy Redler aus dem Landesvorstand der Berliner WASG eine linksextreme Fundamentalistin, die Gregor Gysis und Oskar Lafontaines Traum von der gesamtdeutschen Linkspartei gefährdet. Sie sehen die junge Frau als trojanisches Pferd der sektiererischen SAV, jener trotzkistischen Gruppe, die von einer sozialistischen Gesellschaft unter Führung einer Arbeiterpartei neuen Typs träumt, die Banken und Konzerne in Volkseigentum überführen will und unter anderem deswegen vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Lucy Redler selbst sieht sich als Teil der revolutionären Avantgarde. „Wir stehen für den gesellschaftlichen Aufbruch“, sagt sie, wenn sie begründen soll, wieso die WASG in Berlin nicht wie von der Bundespartei geplant mit der, sondern gegen die Linkspartei/PDS zur Abgeordnetenhauswahl antritt. Berlin ist für sie der „Präzedenzfall“, bei dem die LandesWASG als Vorreiter einer neuen Linksbewegung fungiert. Aber eben nicht so wie die PDS und die WASG-Bundesspitze sich das vorstellen, sondern eher so, wie die SAV („Sozialistische Alternative Voran“) es gern hätte: als „neue Arbeiterpartei, die Alternativen zu den kapitalistischen ,Sachzwängen‘ entwickelt und Gegenwehr aktiv unterstützt und initiiert“. So steht es in der SAV-Zeitschrift „Solidarität“. Hier verdient Redler als Redakteurin ihren Lebensunterhalt, auch ist sie Mitglied der SAV-Bundesleitung. Um die 40 weitere SAV-Leute sind in Berlins WASG aktiv, schätzt Parteisprecher Gerhard Seyfarth, also nur fünf Prozent aller Mitglieder.

„Rumdoktern reicht nicht, nur der Sozialismus kann die Missstände beheben“, beschreibt ein Mitstreiter Redlers Grundeinstellung. Die Parteichefin selbst begründet ihr Engagement mit dem Einsatz für sozial Schwache, Arbeitslose und Lohnabhängige. Für deren Interessen habe sie schon in Hamburg gekämpft, wo sie bis vor zwei Jahren lebte und sich bei der Bürgerschaftswahl für die linke „Regenbogenliste“ engagierte. Sollte ihr Einsatz in Berlin ähnlich erfolgreich sein, bräuchte die Linkspartei/PDS nicht allzu große Angst vor der linken Konkurrenz zu haben: Zuletzt bekam die Regenbogenliste bei den Wahlen lediglich 1,1 Prozent der Hamburger Stimmen.

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