Meinung : „Berlin ist wie Beck’s-Bier, …

Matthias Oloew

… die Stadt hat nicht erkannt, um welche Zielgruppe sie werben muss.“

Ein Satz, wie aus einem Vortrag für Marketingstrategen. Aber der, der ihn am Donnerstag gesagt hat, ist weder Werbefachmann noch Tourismusmanager. Falk Walter, 40, ist Schauspieler. Spätestens seit Donnerstag ist er einer der wichtigsten Kulturmanager und -veranstalter Berlins. Denn mit der offiziellen Schlüsselübergabe im ehemaligen Metropol-Theater an der Friedrichstraße ist er auch offiziell Hausherr. Im April 2006 will er die seit Jahren leerstehende, frühere Operettenbühne wieder bespielen, mit Theaterstücken, Musicals und Konzerten.

Der Anlass ist Walter aber nicht nur Grund, um mit einem Glas Sekt auf die Zukunft anzustoßen. Er bringt stattdessen den Berlin- Bier-Vergleich und will damit sagen: Wie Beck’s, das von der urbanen Szene getrunken wird, aber mit Segelabenteuern wirbt, müsse Berlin erkennen, dass es vor allem die Kultur sei, die Touristen anlocke und das Leben in der Stadt ausmache. Das wiederum sei nicht als Plädoyer für mehr Geld aus der Subventionskasse zu verstehen, sondern als eines gegen Auflagen, Verordnungen und die peinliche Einhaltung der Lärmschutzbestimmungen. Walter: „Es kann nicht sein, dass wir überall in der Innenstadt pünktlich um 21 Uhr 55 die Zelte einpacken müssen.“ Walter fordert von den Behörden mehr Flexibilität.

Er darf das. Denn er hat selbst bewiesen, dass Flexibilität eine seiner wichtigsten Maximen ist. In der DDR geboren, machte er sich als 19-Jähriger mit einem Visum für die Mongolei nach Ulan-Bator auf, um sich von dort nach Peking durchzuschlagen. Er sprach bei der bundesdeutschen Botschaft vor, bekam einen Pass und schaffte so die Ausreise. Er arbeitete an verschiedenen Stadttheatern, ehe er vor zehn Jahren zusammen mit Freunden in einer alten Buswerkstatt in Berlin-Treptow seinen Lebenstraum wahr machte: Mit der Arena gründete er seinen eigenen Spielort für Theaterstücke, Konzerte und Partys. Bis heute mit großem Erfolg, ohne jemals Subventionen vom Senat bekommen zu haben.

Zusammen mit seinen Partnern sichert er sich die Rechte von Theaterstücken für ganz Europa, lässt sie in einem Dutzend Städte gleichzeitig spielen – und macht Gewinn. Diese Partner sind auch beim ehemaligen Metropol-Theater an Bord. Wie er das Haus erfolgreich machen will, sagt er noch nicht, nur: „Das wird was.“ Und alle glauben ihm: Banker, Politiker, Manager und Künstler. Falk Walter zeigt, dass alle unter einen Hut zu bekommen sind.

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