Meinung : Berlin kann sich freuen

EIN NUNTIUS FÜR DAS BISTUM

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Der neue Nuntius ist da, ehrenvoll begrüßt – und vor allem erwartungsvoll. Denn was den deutschen Vertreter des Papstes in Deutschland erwartet, verheißt weiß Gott nicht nur Freude. Erwin Josef Ender ist in Berlin gelandet, und da liegt das Problem. Der Bischof von Berlin wird zum Kreuz fürs Bistum: Wäre Georg Sterzinsky nicht Kardinal der Weltkirche, könnte er nicht selbst darüber befinden, wann er aus dem Amt ausscheiden will – er würde entlassen, eher heute als morgen. Denn das Bistum liegt am Boden, finanziell und seelsorgerisch. Der Hilferuf einer Schar von Seelsorgern, der Papst möge einen Verwalter schicken, wurde mit dem neuen Nuntius beantwortet: Ender wird sich kümmern. Rom hat die Rufe gehört. Schon einmal hat Ender in einer Diaspora gute Dienste geleistet, im Baltikum, als Nuntius und Bischof. Dass Sterzinsky nicht an sich und seinem Wirken zweifelt, zeigt sein interner Weihnachtsbrief. Aus dem spricht, dass er sich berufen fühlt und in „geistlicher Gewissheit“ wähnt. Nun findet der Kardinal ungerecht, dass „die Oberen“ Verantwortung für Missstände tragen müssen. Das offenbart eine seltsame Vorstellung von Verantwortlichkeiten. Er hat allerdings die Alternative vorgezeichnet: Wenn die Mitarbeiter zu Recht schlecht bewertet werden, muss der Bischof sie entlassen. Wenn nicht, muss er selbst gehen. Sterzinsky ist sicher stark im Glauben. Aber auch zu sehr in dem an sich selbst. cas

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