Berlin, Religion und Folter : Ehrhart der Große

Lorenz Maroldt über Parallelen zwischen Ehrhart Körting und Friedrich dem Großen.

Lorenz Maroldt

Die Politik des Berliner Senats ist nicht immer leicht zu verstehen. Aber das liegt meistens nur am eingeschränkten Sehvermögen des Betrachters. Richtig in den historischen Kontext einsortiert, erschließt sich dagegen eine würdevolle Welt voller Weisheit. Ein paar Jahrhunderte muss man da allerdings schon überschauen können. Innensenator Ehrhart Körting hat in einem Interview erklärt, warum er als Christ die Einführung des Pflichtfaches Ethik "fast für zwingend" hält, obwohl es sich dabei im deutschen Ländervergleich um einen Sonderweg handelt. Denn dass ein Sonderweg beschritten werde, sagt der Senator, sei kein taugliches Argument: "Das hat man Friedrich dem Großen auch vorgeworfen, als er die Folter abschaffte."

Nun ist es zwar wohl eher so, dass bei einer Abstimmung unter Schülern darüber, welches Fach nun die schlimmste Folter sei, eher Mathematik genannt werden würde und sich der Senat mit der Verbannung der Quadratwurzelei in die freiwilligen Nachmittagsstunden Spitzenwerte bei den Jungwählern sichern könnte, aber einem Sozialdemokraten geht es ja nicht um billige Wahl erfolge. Deswegen wird, mit Blick zurück, demnächst auch die freiwillige Religionsfolter an den Schulen unterbunden. Denn auch der Alte Fritz hatte zunächst, am 3. Juni 1740, einschränkend verfügt, dass Folter "bei großen Mordtaten" noch erlaubt sei; erst 1754 mussten nicht einmal mehr die schlimmsten Ketzer etwas befürchten und die Folter (heute: Religions unterricht) wurde ohne jeden Vorbehalt und ausnahmslos abgeschafft.

Sicher würde Körting gerne auch in anderer Angelegenheit sein großes Vorbild Fritz zitieren. Denn dieser ließ nebenbei die Zensur aufheben: "Gazetten, wenn sie interessant sein sollen, dürfen nicht genieret werden!" Bravo. Allerdings, das sei hinzugefügt, galt das nicht für deren politischen Teil. Aber das ist ebenfalls nur ein Frage der Betrachtung. Wenn heute Friedrich der Große die rot-rote Politik dominiert, dann ist diese Seite hier eben das Unterhaltungsprogramm.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben