Berlin und der Bund : Tausend Tode in der Oper

Berlin muss für den laufenden Betrieb seiner Opern-Trias selbst aufkommen. Eine Pleite für den Regierenden Kultursenator. Aber noch nicht der Vorhang.

Rüdiger Schaper

Staatsoper – ein großes Wort. Eine große Baustelle. Kaum dass die Saison begonnen hat, ist auch schon wieder klar, was das beherrschende kulturpolitische Thema sein wird: die Hauptstadt und ihre drei Opernhäuser. So bekommt der Name Staatsoper seine spezielle Bedeutung. Alles rechnet, rettet – und flüchtet aus der Verantwortung, wenn es nur geht. Wie der Ex-Opernstiftungsdirektor Michael Schindhelm, der jetzt in den Arabischen Emiraten Kulturschlösser baut, ohne aufs Geld achten zu müssen. Wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der partout die Staatsoper in Bundesregie abgeben will. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, die offenbar nun doch von ihrer früheren Idee abrückt, das Land Berlin durch die freundliche Übernahme der Lindenoper zu entlasten. Dies wurde Wowereit vergangene Woche bei einem Treffen im Kanzleramt eröffnet: Es wird nicht sein. Der ganz dicke Coup der Staatsopern-Transaktion fällt aus. Berlin muss für den laufenden Betrieb seiner Opern-Trias selbst aufkommen. Eine Pleite für den Regierenden Kultursenator. Aber noch nicht der Vorhang.

In der Oper wird am Ende immer langatmig gestorben. In der Berliner Opernpolitik tun sich dagegen stets neue Hintertürchen auf. So ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, ob und wie der Bund – gegen föderale Bedenken – sich doch noch in der Berliner Opernstiftung engagieren könnte, womöglich indirekt. Seit der Wiedervereinigung hat sich der Bund als großzügiger Förderer der hauptstädtischen Kultur gezeigt. Es hat sich gelohnt. Wenn man von einem Berlinboom spricht, dann dank seiner kulturellen Ausstrahlung. Wo der Staat viel Geld gibt für Kultur, nehmen auch private Investitionen in der Kulturszene zu, nicht umgekehrt. Wenn der Staat streicht und spart, verdirbt er Sponsoren die Lust.

Die schlechte Nachricht aus dem Kanzleramt enthält auch eine gute. Der Bund ist unter Umständen bereit, rund 150 Millionen Euro für die Sanierung der Lindenoper zu spendieren. Eine gewaltige Summe, und auch wieder nicht genug. Nach dem jüngsten Gutachten soll die bauliche Wiederherstellung des Hauses Barenboim mindestens 230 Millionen Euro kosten. 30 Millionen Euro will der Freundeskreis aufbringen, der Rest liegt bei Berlin. Das muss zu machen sein. Denn Vorsicht: Staatsoper klingt immer auch so schwer und düster, wie Staatsbegräbnis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben