Berliner Bahn-Konzept : Zwei-Stopp-Strategie

Nun zeigt es eine Statistik: Die Abkopplung des Bahnhof Zoo vom Fernverkehr hat den Berlinern das Bahnfahren erschwert. Die Entscheidung sollte rückgängig gemacht werden.

Klaus Kurpjuweit

Geahnt hat man es; nun belegt es auch eine unabhängige Studie: Der mit der Inbetriebnahme des Hauptbahnhofs verbundene Verzicht auf einen Halt der Fernzüge im Bahnhof Zoo hat für die Mehrheit der Berliner die Wege zum Zug verlängert. Dass aber mehr als 65 Prozent nun Nachteile in Kauf nehmen müssen, überrascht doch. Und sollte das Nachdenken beschleunigen – bei der Bahn und beim Senat. Der Hauptbahnhof floriert, heißt es zumindest bei der Bahn. Ihr Ziel war es, möglichst viele Kunden in die Geschäfte im Hauptbahnhof zu bringen. Auch mit Zwang. Wenn die Berliner und Touristen den Vorzeigebahnhof inzwischen auch als Einkaufsparadies, das nur vom Verkaufsverbot an Sonntagen bedroht ist, akzeptiert haben, kann ihm auch ein Stopp der Züge im Bahnhof Zoo kaum noch schaden. Bewohner vor allem im Südwesten würden es der Bahn danken. Und damit der Hauptbahnhof endlich aus allen Richtungen bequem und schnell zu erreichen ist, muss der Senat Tempo machen. Dass der Bahnhof frühestens 2012/2013 weitere Anschlüsse ans Nahverkehrsnetz bekommen soll, ist beschämend. Und dass Fahrgäste im Nord-Süd-Verkehr bis zu 48 Minuten auf eine Regionalbahn zum Hauptbahnhof warten müssen, ist schon fast unverschämt. Der Hauptbahnhof verdient Besseres.

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