Berliner CDU : Gegen das Kartell der Kreisfürsten

Was ist schlecht daran, dass sich die Mitglieder zwischen zwei Kandidaten für den Parteivorsitz entscheiden können? Nur im Kosmos der Berliner CDU, wo seit Jahren die Gesetze der Schmittokratie herrschen, ist so etwas nicht vorgesehen.

Gerd Nowakowski

Ich will Parteichef bleiben, hat Amtsinhaber Ingo Schmitt unmissverständlich kundgetan – damit wird die Herausforderung durch den Fraktionsvorsitzenden Friedbert Pflüger wirklich zum Machtkampf. Ob es dem Import Pflüger gelungen ist, eine solide Schar von Unterstützern zu gewinnen, wird sich schon heute Abend zeigen, beim Treffen der Kreischefs.

In den Gremien der Partei hat der Strippenzieher Schmitt sein machtvolles Bollwerk gebaut; dem normalen Berliner hingegen ist der Charlottenburger noch nie durch kluge Initiativen, überraschende Ideen oder Förderung von talentiertem Nachwuchs aufgefallen. Schmitt personalisiert das Dilemma der Partei: Es ist die Selbstzufriedenheit derer, die sich bescheiden mit dem bisschen Macht eines Vereins der ehrenwerten Honoratioren, wohlig eingerichtet im 20-Prozent-Club, zufrieden mit den zu verteilenden Mandaten in EU-Parlament und Bundestag.

Friedbert Pflüger stört zunehmend diese Selbstzufriedenheit; nicht weil er übermäßig erfolgreich wäre bei den Berlinern, aber allein dadurch, dass er seine Partei daran erinnert, dass es der CDU darum gehen muss, den rot-roten Senat abzulösen. Deswegen sammelt sich hinter Pflüger die Generation der Unzufriedenen – die Jungen, die Neuberliner, die Bürgerlichen. Diese neue Union wächst längst heran, etwa in Pankow, fast verborgen, doch noch verlangsamt das Kartell der Kreisfürsten den Weg in neue Zeiten. Als der ungeduldige Ex-Senator Peter Kurth 2003 die Machtfrage stellte, wurde er von Schmitt kalt abserviert. Ob die Zeit heute reif ist für Veränderung, wird Pflüger erfahren.

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