Berliner CDU : Jenseits von Adenauer

In der Berliner CDU passiert gerade ein großes Experiment. Erst die Rochade nach Pflügers Sturz, jetzt werden die Bezirke zum Kampfplatz. Die Frage ist immer: Aufbruch oder Rückschritt?

Wer die Berliner CDU im Internet besucht, wird mit einer Fotoschau begrüßt. Ein Bild zeigt Ingo Schmitt, den Noch-Landesvorsitzenden, der grinsend ein Plakat hochhält. „Keine Experimente!“, steht drauf, Adenauers Wahlspruch von 1957. Wohl kaum ein Bild könnte besser illustrieren, welche Kräfte in der Hauptstadt-Union bislang den Kurs prägten. Und kaum ein Bild wirkt veralteter, wenn man sieht, was sich derzeit in der Partei tut. Das ist durchaus ein großes Experiment. Begonnen hatte es mit der Rochade nach dem Sturz Friedbert Pflügers. In den vergangenen Tagen nun wurden die Bezirke zum Kampfplatz. Dabei steht die Frage im Zentrum: Aufbruch oder Rückschritt? Die Basis lieferte konträre Antworten. Schmitts Wahlkreis Charlottenburg-Wilmersdorf setzte auf Vertrautes, der umstrittene und bald scheidende Parteichef wurde erneut zum Bundestagskandidaten nominiert. In Pankow hingegen hofft man auf Neuanfang. Dort setzte sich mit Gottfried Ludewig ein junger Kandidat durch, der von Peter Kurth gefördert wird, Schmitt-Gegenspieler und Hoffnungsträger von CDU-Anhängern, denen der bisherige Kurs der Berliner Union zu piefig und rückwärtsgewandt ist. Das Wochenende zeigt: Berlins CDU hat sich auf den Weg gemacht, das Terrain jenseits des Slogans „Keine Experimente“ auszuloten. Wer dabei mitgeht und wer die Führung übernimmt, ist noch nicht ausgemacht. lvt

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