Meinung : Berliner Hochschulmedizin: Die ehrlichere Heuchelei

Lorenz Maroldt

Klaus Wowereit hat nachgegeben: Jetzt lässt er doch unabhängige Experten prüfen, ob 98 Millionen Euro im Jahr bei der Hochschulmedizin gespart werden können, ohne das Universitätsklinikum Steglitz zu schließen. Bisher hatte er nur Expertisen darüber in Auftrag geben wollen, wie das Klinikum zu schließen ist. Den Protest dagegen hielt er nicht länger aus, zumal die PDS ihre Fahne schon einzurollen begann. Allein gegen alle macht Sparen keinen Spaß.

Wowereits Situation ist durch die Wende vom Montag so klar besser geworden, dass man sich fragt, warum er das nicht gleich gemacht hat: die Summe vorgeben, Sparvorschläge einfordern, ein Ultimatum setzen, dann über die Sache entscheiden. Den Aufstand hätte er sich ebenso sparen können wie den Rückzug.

Ist das nun die Rettung für das Benjamin Franklin? Noch lange nicht, wenn überhaupt. Denn im entscheidenden Punkt zeigt sich Wowereit stur: Es bleibt bei minus 98 Millionen Euro - innerhalb der Hochschulmedizin. Dass die Experten nun "ergebnisoffen" nach dem Geld suchen, heißt ja nicht, dass sie es anderswo finden. Vielleicht schlagen sie auch vor, statt der FU-Klinik die Charité zu schließen. Was dann?

Es wird Zeit, den Kern des Problems in den Mittelpunkt der Diskussion zu rücken: die Sparvorgabe, nicht den Schließungsbeschluss. Wenn der Senat daran festhält, ist jede Erklärung, das Land setze seine Hoffnung auf Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, Heuchelei. Kein Experte bestreitet, dass die Hochschulmedizin zu teuer ist. Hier kann tatsächlich noch das ein oder andere gespart, hier und dort günstiger organisiert werden. Aber die geforderte Summe ist wahrscheinlich nicht ohne Schließung eines Standortes zu holen, und eigentlich, wie doch jeder Experte, wie selbst Wowereit weiß: nicht mal so.

Die Nachricht des Tages: Es bleibt beim Abbau. So wird es der Expertengruppe schwer fallen, nicht zu Wowereits Exekutionskommando zu werden. Die Operation ist nur verschoben, der Patient kämpft weiter - um sein Leben.

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