Meinung : Berliner Kaleidoskop

„Bald sehen wir alt aus“ vom 24. Juli

Man wundert sich, wie demografische Entwicklungen immer wieder als unvorhersehbare Katastrophen gehandelt werden können. Die Berliner Politik sollte sich seit langem die Frage stellen, wie mit den Entwicklungen der nächsten zehn bis zwanzig Jahre umzugehen ist. Ältere Menschen können größere Einkäufe nicht tragen, müssen häufig Ärzte und Diagnose- und Therapieeinrichtungen aufsuchen, möchten am Berliner Kulturleben teilnehmen, besuchen Freunde und Verwandte. Wie sollen sie das alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln machen, wenn Wege und Treppen anstrengend sind? Also versuchen viele so lange wie möglich einen fahrbaren Untersatz zu behalten (und hier ist nicht vom Fahrrad die Rede), um möglichst lange selbstbestimmt und unabhängig bleiben zu können.

Es ist für die Berliner Politik an der Zeit, hier endlich einen Paradigmenwechsel vorzunehmen, um die

Lebensqualität eines größeren Teils

der Bevölkerung nicht vorsätzlich

zu beschneiden.

Jane Richter, Berlin-Halensee

„Finanzamt ruft um Hilfe“ vom 19. Juli

Man kann es auch drastischer formulieren: Von einer schwachen Steuerverwaltung profitieren nur Gesetzesbrecher und Großverdiener. Recht und Gesetz bleiben auf der Strecke. Das frustriert viele Mitarbeiter. Es geht auf Dauer nicht gut, wenn 90 Prozent des benötigten Personals 100 Prozent der Arbeit erledigen müssen. Eine Fußballmannschaft schickt man ja auf Dauer auch nicht mit neun Feldspielern aufs Feld. Deshalb sind 40 zusätzliche Stellen für die Betriebsprüfung nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Erforderlich wären auch zusätzliche Stellen für den Innendienst. Wenig motivierend ist auch die Tatsache, dass bei der Beamtenbesoldung Berlin im bundesweiten Vergleich Schlusslicht ist. Eine Berliner Beamtin des mittleren Dienstes im Eingangsamt A 6, die zudem mehr als zehn Jahre auf eine Beförderung warten muss, erhält 174 Euro weniger als eine vergleichbare Beamtin in Bayern. Deshalb ist die Angleichung an das Niveau des Bundes längst überfällig.

Klaus Wilzer, Berlin-Köpenick,

Vorsitzender des Gesamtpersonalrats für die Finanzämter

„Immer diese Erwachsenen“ vom 21. Juli

Als Sozialpädagogin einer Charlottenburger Grundschule koordiniere ich seit Jahren die Kooperation mit Lesepaten, die vom Verband Berliner Kaufleute und Industrieller ehrenamtlich bei uns tätig sind. Gespannt und in freudiger Erwartung ob der Würdigung unserer unermüdlichen Helfer, blätterte ich zu Seite 16. Ich finde, dass trotz des Lobes für das Ehrenamt, die Lesepatenschaft zu kurz kam. Die Kinder freuen sich auf „ihre Stunde“, haben schon über Jahre eine Beziehung zu ihren Lesepaten aufgebaut, die sich motivierend und positiv auf ihre schulischen Leistungen auswirkt, genießen die Zuwendung, die ihnen in dieser Stunde ganz alleine gilt. Wenn dabei manchmal ein wenig Strenge eingesetzt wird, zeugt dies von dem verantwortungsbewussten Engagement der Lesepaten. Unsere Lesepaten bieten ein großes Altersspektrum, eines haben sie jedoch alle gemein; sie haben Begeisterung am Lesen, mögen Kinder und tragen durch ihren ehrenamtlichen Beitrag dazu bei, den Spaß am Lernen in der Schule zu fördern.

Marlene Elligsen, Berlin-Zehlendorf

„Der doppelte Sarrazin“ und andere

Berichte vom 29. Juli

Man möchte doch endlich auch mal was Netteres über Herrn Sarrazin lesen, zum Beispiel, dass er mit einem Teil der Tantiemen aus seinem Aufregerbuch eine Stiftung gegründet habe, deren Zweck Beforschung und Förderung integrativer Bildungsmaßnahmen in Berliner Brennpunktbezirken sei...

Vielleicht erwärmt er sich ja für diese Idee?

Chris Simeon, Berlin-Charlottenburg

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