Berliner Kirchenverkäufe : Nachmieter Mohammed

In Berlin-Neukölln und Tempelhof werden gerade die ersten beiden Kirchen in Moscheen umgewandelt - das schafft ein Unbehagen. Doch anstatt sich von den Muslimen überraschen zu lassen, sollten Stadtverwaltungen und Universitäten auf sie zugehen.

Ein Kommentar von Claudia Keller

Für Ralph Giordano ist der Koran eine „Lektüre des Schreckens“. Günter Wallraff will in einer Moschee die „Satanischen Verse“ lesen. Jetzt ist er beleidigt, weil die Muslime zu seinem ultimativen Demokratietest nicht gleich Hurra geschrien haben.

Die Stimmung gegenüber den Muslimen ist oft geprägt von Misstrauen, Provokation und Aggressivität. Berechtigte Kritik wird übersteigert zu Maximalforderungen. Und die Kirchen? Sie schüren das Misstrauen noch, wenn sie immer wieder zu „Wachsamkeit“ aufrufen. Und nun noch das: In Berlin werden gerade die ersten beiden Kirchen zu Moscheen umgebaut.

So ist es halt, könnte man sagen: Wenn die Christenheit schrumpft, müssen die Kirchen verkauft werden. Warum nicht an Muslime? Bleibt wenigstens Gott im Haus, ist doch besser als ein Supermarkt. Aber auch die Nüchternsten werden sich ein Unbehagen nicht verkneifen können bei dem Gedanken, dass Jesus aus- und Mohammed einzieht. Die Deutsche Bischofskonferenz hat deshalb in ihren Leitlinien zum Verkauf von Kirchengebäuden festgelegt, dass die „kultische Nutzung durch nichtchristliche Religionsgemeinschaften wegen der Symbolwirkung nicht möglich ist“. Die evangelische Kirche sieht das genauso. Es sind die Neuapostolen, die die beiden Kirchen in Berlin an Muslime verkauft haben.

Hat der Islam nun gewonnen? Ist das Christentum zu schwach geworden? Diese Fragen stehen sofort im Raum, wenn wir ehrlich sind. Aber huch, wir wollten doch nicht denken wie im Mittelalter. Cordoba! Hagia Sophia! Ist es wieder so weit? Natürlich nicht. Erstens: Die gewaltsame Übernahme christlicher Kirchen durch die Osmanen waren machtpolitische Demonstrationen. Muslime sind in Deutschland eine Minderheit.

Auch wenn etliche die Nachricht vom Berliner Kirchenkauf mit einem gewissen Schmunzeln weitererzählt haben, so sind es doch nur wenige, die Deutschland in eine Republik der Scharia verwandeln wollen. Dass türkische und arabische Einwanderer Kirchen kaufen, liegt auch nicht immer daran, dass ihre Gemeinden wachsen. Im Gegenteil: Mili Görüs etwa wirbt gerade um Nachwuchs.

Aber das Selbstbewusstsein vieler Muslime ist gewachsen und der Wunsch, die hässlichen Hinterhöfe zu verlassen. Auf einmal will jede kleine Gruppierung ihre eigenen Räume haben. Der Verein, der in die Kirche in Tempelhof gezogen ist, hat 40 Mitglieder!

Gegen das Unbehagen lässt sich aber auch konkret etwas tun: Anstatt sich von den Muslimen überraschen zu lassen, könnten Städte und Kommunen selbst Moscheebaupläne erstellen und festlegen, wo man wie viele Gotteshäuser haben will. Würde man an den deutschen Universitäten muslimische Geistliche ausbilden, müsste man nicht Angst vor Imamen haben, die in Syrien, Ägypten oder Saudi-Arabien studiert haben.

Das sicherste Mittel gegen weitere Kirchenverkäufe aber ist, selbst attraktiver zu werden. Weltweit wachsen im Übrigen Christentum und Islam. Das Christentum, zumindest in absoluten Zahlen, noch ein bisschen mehr.

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